Die Wirtschaft in Südwestfalen wartet weiter auf eine Trendwende. Zwar beurteilen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser als vor einem Jahr. Doch hohe Kosten und eine schwache Nachfrage belasten die Betriebe weiterhin. Viele wollen ihre Investitionen zurückfahren und rechnen mit weniger Beschäftigten. Das zeigt die gemeinsame Herbstumfrage der Industrie- und Handelskammern Arnsberg, Siegen und Hagen.

Überregionale Nachrichten

Der Konjunkturklimaindex steigt gegenüber dem Frühjahr von 88 auf 91 Punkte. Damit bleibt er unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten, die er seit Herbst 2023 durchgängig unterschreitet. An der Befragung vom 14. bis 25. September beteiligten sich 1.253 Unternehmen mit mehr als 100.000 Beschäftigten.

Insgesamt bewerten 19 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 55 Prozent als befriedigend und 26 Prozent als schlecht. Im Herbst vergangenen Jahres hatten noch 34 Prozent von schlechten Geschäften berichtet. Die Verbesserung führt allerdings bislang nicht zu größerer Zuversicht: Für die kommenden zwölf Monate erwarten 15 Prozent bessere und 25 Prozent schlechtere Geschäfte. Die übrigen 60 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung.

Im SIHK-Bezirk plant nur jeder 20. Betrieb mehr Personal

Im Bezirk der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen, zu dem der Märkische Kreis, Hagen und der Ennepe-Ruhr-Kreis ohne Witten und Hattingen gehören, fällt die Lagebewertung etwas ungünstiger aus als im südwestfälischen Durchschnitt. Hier melden 16 Prozent gute und 28 Prozent schlechte Geschäfte. Weitere 56 Prozent beurteilen ihre Lage als befriedigend.

Besonders zurückhaltend sind die Unternehmen bei der Personalplanung. Lediglich fünf Prozent der Betriebe im SIHK-Bezirk erwarten eine steigende Beschäftigtenzahl, 32 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Für ganz Südwestfalen liegen diese Anteile bei acht beziehungsweise 32 Prozent. Aus den Umfragewerten lässt sich allerdings keine konkrete Zahl künftig wegfallender Arbeitsplätze ableiten.

Auch die Investitionsbereitschaft bleibt schwach. Im SIHK-Bezirk wollen 21 Prozent der Unternehmen ihre Inlandsinvestitionen erhöhen und 34 Prozent weniger ausgeben. Südwestfalenweit planen 19 Prozent höhere und ebenfalls 34 Prozent geringere Investitionen.

„Die leichte Verbesserung der Geschäftslage ist zunächst ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung“, sagt Andreas Knappstein, Präsident der IHK Arnsberg/Hellweg-Sauerland. Ausbleibende Investitionen gefährdeten auf Dauer die Substanz des Wirtschaftsstandortes.
Foto: Christoph Meinschäfer Fotografie

Industrie bleibt unter Druck

In der südwestfälischen Industrie hat sich die Geschäftslage gegenüber dem Vorjahr verbessert. Der Anteil der Betriebe mit schlechten Geschäften sank von 42 auf 31 Prozent. Gute Geschäfte melden 16 Prozent, nach zwölf Prozent im vergangenen Herbst.

Ein breiter Aufschwung zeichnet sich dennoch nicht ab. Nur 17 Prozent der Industrieunternehmen rechnen mit besseren, 23 Prozent mit schlechteren Geschäften. Auch beim Export überwiegt die Skepsis: 19 Prozent erwarten ein besseres Auslandsgeschäft, 23 Prozent sinkende Exporte.

Jeweils 36 Prozent der Industriebetriebe wollen ihre Inlandsinvestitionen reduzieren oder rechnen mit einem Beschäftigungsrückgang. Zugleich erwägen 20 Prozent konkret eine Standort- oder Teilverlagerung. Über alle Branchen hinweg liegt dieser Anteil bei 15 Prozent. Dabei handelt es sich um Überlegungen, nicht um bereits beschlossene Verlagerungen.

SIHK-Präsident Ralf Stoffels sieht darin Warnsignale für die industriestarke Region und ihren Mittelstand. Er verweist zudem darauf, dass die Exporterwartungen nach Einschätzung der Kammern hinter der bundesweiten Entwicklung zurückbleiben.

Klein
SIHK-Präsident Ralf Stoffels sieht Warnsignale für die Unternehmen in Südwestfalen. | Archivfoto

Innerhalb der Industrie gibt es deutliche Unterschiede. In der Metallerzeugung und -bearbeitung beurteilen 43 Prozent der Unternehmen ihre Lage als schlecht. Nur neun Prozent erwarten bessere Geschäfte, 31 Prozent eine Verschlechterung. Bei den Herstellern von Metallerzeugnissen melden 37 Prozent eine schlechte Geschäftslage.

Freundlicher fällt das Bild im Maschinenbau aus: Hier berichten 31 Prozent von guten und 20 Prozent von schlechten Geschäften. Auch die Erwartungen sind überwiegend positiv. 28 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, zwölf Prozent mit einer Verschlechterung.

Einzelhandel besonders belastet

Unter den untersuchten Branchen bewertet der Einzelhandel seine Lage am schlechtesten. 43 Prozent der Händler melden schlechte Geschäfte, lediglich sieben Prozent gute. Für die kommenden Monate erwarten 38 Prozent eine Verschlechterung und elf Prozent eine Verbesserung. Fast die Hälfte der befragten Einzelhändler – 47 Prozent – will weniger investieren.

Das Baugewerbe steht bei der aktuellen Geschäftslage deutlich besser da. Hier berichten 35 Prozent von guten und elf Prozent von schlechten Geschäften. Der Ausblick bleibt jedoch verhalten: 30 Prozent erwarten schlechtere, nur zehn Prozent bessere Geschäfte.

Auch bei den Dienstleistern überwiegen die positiven Lagebewertungen. 29 Prozent melden gute und 14 Prozent schlechte Geschäfte. Als einzige der betrachteten Branchen weisen sie zudem mehr Unternehmen mit steigenden als mit sinkenden Investitionsplänen auf: 29 Prozent wollen ihre Ausgaben erhöhen, 20 Prozent reduzieren.

Hohe Kosten bremsen die Entwicklung

Als größtes Risiko nennen südwestfalenweit 75 Prozent der Unternehmen die Energie- und Rohstoffpreise. Es folgen die Arbeitskosten mit 67 Prozent, die Inlandsnachfrage mit 64 Prozent und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 61 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich.

In einzelnen Industriezweigen ist die Belastung durch Energie- und Rohstoffpreise besonders ausgeprägt. In der Metallerzeugung und -bearbeitung nennen 90 Prozent diese als Geschäftsrisiko, bei den Herstellern von Metallerzeugnissen sind es 86 Prozent.

Die drei Kammern fordern deshalb niedrigere Kosten, weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen. Nach ihrer Einschätzung reichen die bislang angestoßenen Reformen und Entlastungen nicht aus, um Investitionen und Beschäftigung wieder in Schwung zu bringen.