Die Kosten für Hilfen zur Erziehung steigen in Plettenberg deutlich. Für 2026 rechnet die Stadt inzwischen mit Aufwendungen von rund 7,92 Millionen Euro – und damit rund 1,67 Millionen Euro mehr als im Haushalt vorgesehen. Gleichzeitig kommt die Verwaltung bei der Prüfung einer möglichen Abgabe des städtischen Jugendamtes an den Märkischen Kreis zu dem Ergebnis, dass die bisherige Struktur beibehalten werden sollte.
Mit beiden Themen beschäftigt sich der Jugendhilfeausschuss am Mittwoch, 7. Oktober, ab 17 Uhr im Ratssaal. Die Entwicklung der Kosten war bereits in der Ratssitzung am 15. September Thema. Dort wurde eine vertiefende Beratung im Fachausschuss vereinbart.
Die Entwicklung ist erheblich: Zwischen 2022 und 2023 stiegen die Kosten für Hilfen zur Erziehung nach Angaben der Verwaltung um acht Prozent. Von 2023 auf 2024 waren es 26 Prozent, von 2024 auf 2025 weitere 28 Prozent. Besonders betroffen sind ambulante Hilfen, bei denen die Fallzahlen um etwa 20 Prozent gestiegen sind. 2025 nahm zudem die Zahl der kostenintensiven stationären Hilfen um neun Prozent zu.
Die Stadt verweist darauf, dass steigende Kosten nach der Corona-Pandemie bundesweit zu beobachten seien. Die Entwicklung in Plettenberg falle allerdings überdurchschnittlich aus. Nach einer von der Verwaltung angeführten Auswertung der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik betrug die bundesweite Kostensteigerung 2024 gegenüber dem Vorjahr 15,6 Prozent. In Plettenberg waren es im gleichen Zeitraum 26 Prozent. Als wesentlichen Grund nennt die Verwaltung steigende Fallzahlen bei kostenintensiven stationären Unterbringungen.
Prognose liegt 1,67 Millionen Euro über Haushaltsansatz
Für 2026 waren für die Hilfen zur Erziehung rund 6,25 Millionen Euro eingeplant worden. Nach der aktuellen Prognose werden rund 7,92 Millionen Euro benötigt. Die Stadt weist allerdings darauf hin, dass die Prognose aufgrund von Neufällen, Abgängen und Zuständigkeitswechseln noch nicht endgültig verlässlich sei.
Die prognostizierten Mehraufwendungen von 1,672 Millionen Euro müssen durch Einsparungen an anderer Stelle oder – nach entsprechendem Ratsbeschluss – durch zusätzliche Erträge gedeckt werden. Wie diese Deckung konkret aussehen soll, steht noch nicht fest. Vorschläge sollen nach und nach in den kommenden Ratssitzungen vorgelegt werden.
Parallel dazu hat die Stadt untersucht, ob sie ihr Jugendamt vollständig an den Märkischen Kreis abgeben sollte. Anlass war ein Antrag der FDP-Fraktion aus den Haushaltsberatungen im April. Eine solche Übertragung ist für mittlere kreisangehörige Städte in Nordrhein-Westfalen seit Juni 2025 möglich. Die Aufgaben würden anschließend vom Kreisjugendamt übernommen und über eine differenzierte Kreisumlage finanziert.
Eine weitreichende Konsequenz: Nach derzeitiger Rechtslage könnte Plettenberg die Entscheidung später nicht rückgängig machen. Die Abgabe des Jugendamtes wäre nach Darstellung der Verwaltung endgültig. Die sechs städtischen Kindertageseinrichtungen wären davon hingegen nicht unmittelbar betroffen und könnten weiterhin von der Stadt betrieben werden.
Verwaltung sieht Vorteile beim eigenen Jugendamt
In ihrer Bewertung spricht sich die Verwaltung für die bestehende Struktur aus. Sie verweist unter anderem auf die umfassende Fallkenntnis der Beschäftigten, kurze Wege und die Kenntnis der örtlichen sozialen Strukturen. Anders als beim Märkischen Kreis seien in Plettenberg zahlreiche Aufgaben innerhalb der Bezirkssozialarbeit gebündelt. Dadurch könnten die Fachkräfte unterschiedliche Hilfesysteme miteinander verbinden.
Hinzu kämen langjährig gewachsene Netzwerke vor Ort. Als Beispiel nennt die Verwaltung die seit mehr als 25 Jahren bestehende „Plettenberger Runde“. Durch solche Strukturen seien den Fachkräften auch Unterstützungsangebote bekannt, die nicht zwangsläufig zusätzliche Jugendhilfekosten verursachten.
Das Fazit der Verwaltung fällt entsprechend aus: Durch eine Übertragung an den Märkischen Kreis sei kein erkennbarer pädagogischer Mehrwert zu erwarten. Als Qualitätsfaktoren werden unter anderem die personelle Kontinuität, langfristige Beziehungen zu Familien und Institutionen sowie die sozialräumliche Kompetenz genannt.
Auch ein finanzieller Vorteil lässt sich nach der Prüfung nicht belegen. Nach einer vorläufigen Berechnung würde die differenzierte Kreisumlage bei einer Abgabe des Jugendamtes rund 15,26 Millionen Euro betragen. Die Verwaltung betont allerdings, dass dieser Wert lediglich eine grobe Annäherung ist und nicht unmittelbar den heutigen Gesamtkosten des städtischen Jugendamtes gegenübergestellt werden kann. Unter anderem lassen sich Kosten für Personal, Gebäude, IT und Finanzen nicht ohne Weiteres isolieren. Prüfungen anderer Kommunen gingen nach Angaben der Stadt davon aus, dass eine Übertragung finanziell keine Entlastung bringe.
Der Jugendhilfeausschuss soll dem Rat deshalb empfehlen, das Jugendamt in Trägerschaft der Stadt Plettenberg zu belassen. Die endgültige Entscheidung ist für die Ratssitzung am 13. Oktober vorgesehen.







