Gregor Gysi und Lorenz Hemicker. Der Alt-Linke, Anwalt und Abgeordneter, über Jahre prägende Figur der Linkspartei auf der einen und der Journalist, Chef vom Dienst der FAZ-Online-Redaktion und Buchautor („Mein Großvater, der Täter“) auf der anderen Seite. Beide treffen im Zuge der Literaturtage zusammen.
Der 30. September verspricht ein spannender und informativer Abend zu werden. Ein unterhaltsamer vermutlich auch. Gysi, der wie Hemicker schon mal zu Gast in Meinerzhagen war, ist bekannt für Eloquenz, Witz und Schlagfertigkeit. Der Alterspräsident des deutschen Bundestags, präsentiert bei den Literaturtagen im Evangelischen Gymnasium mit Moderator Lorenz Hemicker einen Querschnitt aus seinen erfolgreichen Büchern, unter anderem auch aus den beiden neuen Gesprächsbänden „Auf eine Currywurst mit Gregor Gysi“ und „Gregor Gysi – Mein Leben in 13 Büchern“.
Klar, dass dann auch aktuelle Themen in der Talkshow ihren Platz finden. Gregor Gysi hat linkes Denken in Deutschland wesentlich geprägt und hat es wieder gesellschaftsfähig gemacht. Seine bekannte Autobiographie „Ein Leben ist zu wenig“ ist ein Geschichts-Buch, das die Erschütterungen und Extreme, die Entwürfe und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts auf sehr persönliche Weise erlebbar macht. Es erzählt von Gysis zahlreichen Leben: als Anwalt, Politiker, Autor, Moderator und Familienvater. Kaum ein deutscher Politiker wurde so geschmäht, kaum einer schlug sich so erfolgreich durchs Gestrüpp der Anfeindungen – hin zu einer anerkannten Prominenz.
In seiner Autobiographie erzählt Gysi, Jahrgang 1948, von seiner Berliner Kindheit und Jugend, schildert seinen Weg zum Rechtsanwalt, gibt Einblicke in sein Verhältnis zu Dissidenten ("Rudolf Bahro war mein spannendster Fall"), beleuchtet die Spannungsfelder an der Spitze von Partei und Bundestagsfraktion. Vor allem aber berichtet er von der erstaunlichen Wendung, die sein Leben mit dem Herbst 1989 nahm: Der Jurist wird Politiker. „Einfach wegrennen, das wollte ich nie", sagt Gysi und trifft damit einen Kern seines Wesens: Widersprüche aushalten. Ein Leben und eine Familiengeschichte mit einem Gerichtsalltag mit Mördern und Dieben.
Lorenz Hemicker
Lorenz Hemicker hatte im April vergangenen Jahres sein Buch „Mein Großvater, der Täter“ vorgestellt, in dem er die Geschichte der Familie aus Kierspe nachzeichnet. Tiefbauingenieur Ernst war SS-Offizier, plante die Gruben für die Leichen, die die SS-Kommandos vor den Toren Rigas erschossen hatten. Ein „Mord im Akkord“, nannte es sein Enkel. Mit seinem Buch machte er deutlich, dass die Nazi-Schergen nicht irgendwelche Fremden waren, sondern dass die Ideologie und die Täter mitten unter uns weilten.
Literaturtage mit Gregor Gysi und Lorenz Hemicker
Termin: Mittwoch, 30. September, 19 Uhr
Ort: Evangelisches Gymnasium, Meinerzhagen
Eintritt: Vorverkauf 25 Euro, ermäßigt 15 Euro; Abendkasse 30 Euro, ermäßigt 18 Euro
Einlass: 18.30 Uhr
Danach wird es bei den Literaturtagen wieder literarischer: Michael Kobr, Autor der Bornholm-Krimis, wird zu Gast sein. Der Termin steht noch nicht fest.








