Mit einem „Policy Lab“, einer neuen Kooperationsform von Verwaltung und Wissenschaft, wollen die Stadt Drolshagen und ein Team um Professor Andreas Knie vom Wissenschafts-Zentrum Berlin (WZB) die Planung für ein „Dorf der Zukunft“ vorantreiben.
Das soll auf einem Hang-Grundstück am Ortsausgang von Drolshagen in Richtung Olpe entstehen. Auf einer Fläche von etwa vier Hektar sollen die Funktionen Wohnen, Arbeiten und Leben (Freizeit) zusammengeführt werden, energetisch autark mit neuen Formen der Mobilität. Ein Masterplan dazu existiert bereits, gefördert von der Bundesstiftung Umwelt.
Jetzt geht es an die Umsetzung. Ziel ist es, innerhalb eines Jahres die Konzepte so weit zu entwickeln, dass das Projekt, das derzeit unter dem Titel „Drei Höfe“ firmiert, umgesetzt werden kann. Derzeit, so Professor Andreas Knie, scheitert der Plan mit eigener Energieerzeugung, Speicherung und Nutzung für das Projekt am Energiewirtschaftsgesetz. Oder: gemäß Bauordnung ist für jede Wohneinheit ein Stellplatz vorzusehen.
Was aber, wenn man in der Siedlung kein Auto braucht und Mobilität anders organisiert wird? Rechtliche Hindernisse und kleinteilige Vorgaben sollen durch kreative Lösungen umschifft werden. Es gelte, „Lücken im Gesetz zu identifizieren“, die Innovation möglich machen, so Knie.
Dafür sollen die Kompetenzen der Wissenschaftler und die der Verwaltung gebündelt werden. Das „Policy Lab“ sieht der Wissenschaftler als Labor, wie solch eine Kooperation organisiert werden kann. Für Bürgermeister Ulrich Berghof „überfordert das Projekt eine kleine Verwaltung“. Für die Umsetzung der Dorf-Idee brauche es weitere Hilfe. Die verspricht er sich vom „Policy Lab“.
Monatliche Treffen
Dr. Dagmar Simon, Geschäftsführerin von EVACONSULT, ist sich sicher, dass die Wissenschaft ihre Kompetenzen für komplexe Projekte einbringen kann. Das von ihrem Institut und dem WZB entwickelte „Policy Lab“ sieht sie als Muster auch für andere Kommunen, die nachhaltige Zukunftsprojekte forcieren wollen. Die Bundestiftung Umwelt und die Mercator-Stiftung fördern die Kooperation für ein Jahr. In monatlichen Treffen wolle man sich der Herausforderung stellen, so Berghof. Verwaltung und Rat stünden hinter dem Konzept der „Drei Höfe“.
Professor Andreas Knie hofft dabei auf Rückenwind durch Abbau von Demokratie und Innovationshemmnissen. In einem Jahr sollen Ergebnisse vorliegen. Seine Vision, dass dann schon der erste Bagger unterm Buscheid steht, teilte Jan Wolff, Fachbereichsleiter Planen, Bauen, Wohnen, so nicht. Gebaggert werde dann wohl noch nicht. Dazu braucht es noch einen Investor. Das „Lab“ soll den Weg bis dahin ebnen.








