Im Café Espressofaden im Werkhof Halver lernen Kinder und Jugendliche, wie sie Kleidung reparieren und durch Upcycling aufwerten können. Dabei geht es nicht nur um Nadel und Faden, sondern auch um Nachhaltigkeit und den Austausch zwischen Jung und Alt. Dass selbst ein Vereinsmaskottchen eine zweite Chance verdient, zeigt das Beispiel von „Hascha“ aus der SGSH Dragons.

Einige Kinder der SGSH Dragons haben ihr Maskottchen im Nähcafé auf Vordermann gebracht.
Video: Jung

Reparieren und Upcyceln statt wegwerfen

Ein kaputter Reißverschluss, ein Riss in der Lieblingshose oder eine aus der Mode gekommene Jacke: Vieles, was im Kleiderschrank nicht mehr gebraucht wird, muss nicht gleich im Müll landen. Im Café Espressofaden im Werkhof in Halver können Kinder und Jugendliche lernen, wie sie Kleidungsstücke reparieren und mit kreativen Ideen aufwerten können.

"Wir wollen Schülern vermitteln, dass es sich lohnen kann, kaputte Sachen zu nähen", sagt Anna Schattauer. Sie arbeitet als pädagogische Mitarbeiterin im Werkhof in Halver und möchte mit dem am 1. September eröffneten Café Espressofaden Nähkenntnisse vermitteln und weitergeben. Kompetente Anleitung erhalten die Kinder aus den Schulen, mit denen bereits Kooperationsverträge bestehen, von Svitlana Levchuk. Die Schneidermeisterin, die in Kiew eine eigene Boutique mit selbst geschneiderter Mode hatte, zeigt jetzt Schülern des Anne-Frank-Gymnasiums und der Humboldtschule, dass es durchaus sinnvoll ist, bereits vorhandene Kleidungsstücke zu reparieren oder per Upcycling sogar aufzuwerten.

Auch die Mosaik-Schule aus Lüdenscheid will demnächst ein zweiwöchiges Projekt starten. An den jeweils vier Tagen von Montag bis Donnerstag werden zwölf Schüler pro Tag lernen, was mit Hilfe einer Nähmaschine alles möglich ist. Im Vorfeld planen sie in der Schule, was sie nähen wollen. Das kann etwas sein, das sie für sich selber nähen und später zu Hause präsentieren wollen, sie können sich aber auch an einem Upcycling-Projekt des Werkhofs beteiligen und Kissen, Taschen oder Leseknochen nähen.

Svitlana Levchuk macht neue Lieblingsstücke aus altem Stoff.
Foto: Gerdel

Nähen lernen - Vom ersten Stich zum eigenen Nähprojekt

„Sie können beispielsweise auch eine Tasche aus einer alten Jeans machen“, erklärt Sven Keller, Geschäftsführer des Werkhofs. Die Idee ist eine von vielen Upcycling-Möglichkeiten, die Svitlana Levchuk gemeinsam mit den Schülern umsetzt.

Die Jungen und Mädchen im Alter von acht bis 14 Jahren können in verschiedene Arbeitsbereiche hineinschnuppern. Dazu gehören das Nähen mit der Hand, mit der Maschine und eine allgemeine Stoffkunde. "Aber noch ist alles im Aufbau", erzählt Anna Schattauer. "Wir haben unter anderem auch eine neue Nähmaschine für stärkeres Material, wie Leder oder Felle, bestellt, damit wir vom Arbeitsbereich her noch flexibler sind."

Das Café Espressofaden versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Änderungsschneiderei. Vielmehr sollen sich hier Generationen begegnen und voneinander lernen. "Der Nähbereich soll mit Leben gefüllt werden", wünscht sich die pädagogische Mitarbeiterin.

Jung und Alt lernen voneinander

Auch für Sven Keller ist beim Projekt "Café Espressofaden" besonders wichtig, dass die Schüler zum einen praktisches Handwerk vermittelt bekommen, sich zum anderen aber auch ein Austausch mit Senioren entwickelt, die im Café neben der Nähstube gerne auf einen Kaffee und eine Waffel vorbeikommen.

Anna Schattauer wird hier eine Vermittlungsrolle übernehmen. "Wenn sie zum Beispiel weiß, dass einer der Gäste im Café Probleme mit dem Handy hat, kann sie diese Info an einen der Jugendlichen aus der Nähstube weitergeben. Der könnte dann sein Wissen über die Handynutzung weitergeben und bekommt vielleicht im Gegenzug den einen oder anderen Tipp das Nähen betreffend", wünscht sich Keller.

Ab Februar kommenden Jahres werden im Werkhof auch Nähkurse angeboten. Anmeldungen dazu sind ab Januar möglich. Damit soll allen, die Spaß am Selbergestalten haben, das notwendige Rüstzeug mitgegeben werden.

Aufgearbeitete Kleidung auf dem Laufsteg

Außerdem sind weitere Kooperationen mit Seniorenzentren geplant. Eine Zusammenarbeit mit dem Seniorenzentrum Reeswinkel ist bereits beschlossen. Die Idee dahinter ist, dass Mitarbeiter des Werkhofes zu den Senioren fahren und dort in einer Modenschau Kleidungsstücke präsentieren, die im Nähcafé aufgearbeitet wurden. Diese Aktionen werden in Kooperation mit den Jugendlichen aus den Schulen durchgeführt. "Auch hier soll wieder der Gedanke der generationenübergreifenden Zusammenarbeit im Vordergrund stehen", sagt Sven Keller.

Das Upcycling kann im Kleinen anfangen, indem einer altmodisch wirkenden Jacke auffällige Knöpfe angenäht werden oder eine Schlaghose einen moderneren Schnitt bekommt. Bei einer eigentlich hochwertigen Bluse, die aber einen Riss hat, kann ein Stück herausgenommen und durch ein Stück Stoff ersetzt in einer anderen Farbe oder mit einem anderen Muster ersetzt werden - auffällig und schick. "So können Kleidungsstücke, die sonst vernichtet würden, wieder tragbar gemacht werden", ist Sven Kellers Gedanke hinter diesen Aktionen.

Kaputte Trikots, neue Ideen

Auch Vereine können vom Café Espressofaden profitieren. Sie können mit Gruppen Jugendlicher kommen und sich beispielsweise zeigen lassen, wie sie selbst kaputte Trikots reparieren können. "Auch wenn eine Reparatur nicht mehr möglich ist, könnten sie zum Beispiel die Rückennummer eines Trikots abtrennen und auf einen Kissenbezug aufnähen - so bleibt vom Lieblingsstück noch etwas erhalten", nennt Keller eine Möglichkeit des Upcyclings. Und sogar das Vereinsmaskottchen kann im Café Espressofaden gerettet werden.

SGSH-Maskottchen kommt unters Nähmesser

Am Mittwoch, 21. Oktober, stand ein ganz besonderer Patient im Mittelpunkt des Nähcafés: „Hascha", das rund acht Jahre alte Maskottchen der SGSH Dragons.

Gemeinsam mit einigen Kindern des Handballvereins und mit Unterstützung der Schneiderin Svitlana Levchuk sollte der Drache wieder auf Vordermann gebracht werden. „Das ist unser Liebling, den brauchen wir“, betont Dragons-Jugendtrainer Rüdiger Moll. Das Maskottchen, das regelmäßig bei Heimspielen im Einsatz ist und zuletzt beim Bambinilauf im Rahmen des Halveraner Herbstes mitlief, befand sich laut Moll in einem „desaströsen Zustand“. Reißverschlüsse funktionierten nicht mehr, Nähte lösten sich und an mehreren Stellen waren Löcher entstanden.

Doch bei der Aktion ging es nicht nur darum, das Maskottchen zu reparieren. Die Kinder sollten auch ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit entwickeln und lernen, Gegenstände wertzuschätzen, statt sie bei Beschädigungen direkt wegzuwerfen, wie Moll im Gespräch mit LokalDirekt erklärt. Als Dank für die Hilfe bei der Reparatur des Maskottchens überreichte Rüdiger Moll dem Nähcafé Freikarten für Spiele der SGHS.

Im Nähcafé hat Schneiderin Svitlana Levchuck gemeinsam mit SGSH-Handballtrainer Rüdiger Moll und einigen Kindern das Maskottchen des Vereins repariert.
Foto: Jung