Immer längere und immer häufiger vorkommende Hitzeperioden machen auch den Stadtbäumen zu schaffen. Durch ihre Positionierung mit wenig Erdreich, dafür umrundet von Asphalt und Häusern, haben sie kaum eine Möglichkeit, der regenlosen Zeit zu trotzen. René Kopp und der Baumverein testen daher eine Möglichkeit, wie Abhilfe geschaffen werden kann und fordern gleichzeitig besseren Baumschutz für künftige Stadtplanungen.
Zum Glück für so manchen Stadtbaum in Halver gibt es Menschen, die nicht die Augen davor verschließen, dass die Trockenheit der letzten Wochen für Pflanzen dramatisch ist: Diese Menschen bieten sich als Baumpaten an und gießen „ihren“ Baum regelmäßig.
Diese Idee hatte auch René Kopp, der täglich an der Kreuzung Zaunkönigweg/Falkenstraße vorbeifährt. Dort hat er schon Anfang Juli beobachten müssen, dass die drei Linden, die im Kreuzungsbereich stehen, für diese Jahreszeit bereits ungewöhnlich viel Laub abgeworfen hatten.
300 bis 500 Liter Wasser wöchentlich
René Kopp, der als sachverständiger Bürger für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Ortsverband Halver aktiv ist, nahm daher Kontakt zum Halveraner Baumverein auf. Bei einer gemeinsamen Ortsbesichtigung wollten sie die Situation bewerten und über Hilfsmittel beraten. „Erst hatte ich an eine Baumpatenschaft gedacht, wie man es von der Innenstadt her schon von einigen Bäumen kennt“, erzählt er. „Aber ich musste schnell erkennen, dass das ein unmögliches Unterfangen wäre, denn jeder der drei Bäume braucht wöchentlich 300 bis 500 Liter Wasser. Es wäre unmöglich, diese Menge per Gießkanne heranzutragen“, sagt er.
Standrohr gemietet
Gemeinsam mit Jan Kirk vom Baumverein fand sich eine Lösung: Bei den Stadtwerken Halver wurde ein Standrohr gemietet, das an einen Hydranten im Zaunkönigweg angeschlossen werden kann. Darüber lässt sich seither Frischwasser in ausreichender Menge entnehmen. „Natürlich misst eine angebrachte Wasseruhr den Verbrauch, die Kosten für das Wasser trägt der Baumverein“, erklärt Jan Kirk.
Das weitere Prozedere wiederholt sich dann alle drei Tage: Das Wasser wird in einen IBC (International Bulk Container) gefüllt, der 1000 Liter Wasser aufnehmen kann. Dadurch, dass dies per Feuerwehrschlauch geschieht, dauert das Verfüllen nur wenige Minuten. Ist der Behälter voll, werden die beiden oberen Linden mit etlichen Litern Wasser direkt aus dem Schlauch an ihrem Wurzelbereich begossen.
Ein Baum braucht Sonderbehandlung
Der untere der drei Bäume, der am meistern unter der Trockenheit gelitten hat, bekommt im Anschluss eine Sonderbehandlung. Sein Wurzelbereich ist über einen normalen Gartenschlauch mit dem IBC-Container verbunden. Dort wird der Hahn zur Wasserentnahme ganz leicht geöffnet und 1000 Liter lebenspendendes Wasser tröpfeln über drei Tage gleichmäßig auf die Fläche um den Stamm der Linde. „So läuft das Wasser nicht über die Oberfläche davon, sondern kann ganz langsam im Erdreich rund um die Wurzeln versickern“, erklärt Jan Kirk die Vorgehensweise.
"Erst einmal ein Versuch"
Je nach Wetterlage soll diese Art der Bewässerung noch einige Wochen fortgeführt werden. „Das Ganze ist erst einmal ein Versuch“, sagt René Kopp. „Wir werden den Effekt beobachten und dann entscheiden, ob eine solche Maßnahme auch für andere gefährdete Stadtbäume machbar ist.“
Eine weitere Hilfe für betroffene Stadtbäume könnte die Anwendung von Luftlanzen sein, die die Bewässerung und Belüftung der Baumwurzeln erleichtern. Auch durch das Einbringen von Pflanzsubstrat könnte den Bäumen dabei geholfen werden, Hitzeperioden selbst auszuhalten.
Verdichtung der Böden sorgt für Probleme
Warum eine Wasserversorgung der Stadtbäume überhaupt nötig ist, erklärt Jan Kirk: „Bäume, die im Siedlungsbereich gepflanzt wurden, haben im Normalfall keinen natürlichen Bodenaufbau. Die Verdichtung der Böden ist dabei problematisch“, sagt er. Diese Beobachtung zeige sich auch am Zustand der untersten der drei Linden: Dieser Baum habe kaum Abstand zum Bürgersteig oder zum angrenzenden Parkplatz. Das wenige vorhandene Erdreich gebe ihm keine Möglichkeit, genügend Wasser zu speichern.
Seine Forderung an die Stadtplaner lautet auch entsprechend: „Das veränderte Klima macht es umso notwendiger, dass Bäume bei zukünftiger Planung mehr Berücksichtigung im Stadtbild finden. Bei der Infrastrukturplanung darf nicht nur an die Straßenplanung gedacht werden. Es müssen, allein schon zur Schattenbildung, viel mehr Bäume etabliert werden“, betont er und führt als Beispiel an, dass ein Fußweg von der Siedlung an der Falkenstraße ins Zentrum eine "Odyssee durch die Sonne" darstellt: „Da gibt es auf über längere Abschnitte überhaupt keinen Schatten“, reklamiert er.
3-30-300-Regel
René Kopp ergänzt diese Forderung mit einer Formel, die das optimale Verhältnis von Bäumen im Stadtgebiet beschreiben soll: "Die 3-30-300-Regel besagt, dass man von jedem Fenster aus mindestens drei Bäume sehen können sollte, dass 30 Prozent der Fläche in meinem Wohnviertel von Baumkronen beschattet sein sollten und dass ich nur 300 Meter bis zum nächsten Park zurücklegen muss", veranschaulicht er diese Zielvorstellung.
Mit der Initiative, die drei Linden am Zaunkönigweg über einen IBC-Container zu bewässern, soll eine öffentliche Diskussion über die nachhaltige Pflege, Erhaltung und Neupflanzung von Stadtbäumen angeregt werden, wünscht sich René Kopp: „Denn hier ist ein deutlicher Handlungsbedarf erkennbar.“









