Mehr als 100 Bürger, ein überfüllter Sitzungssaal und weiterhin weit auseinanderliegende Positionen: Auch die zweite Bürgerversammlung zum geplanten Baugebiet Herksiepe/Schillerstein zeigte am Montag, wie sehr das Vorhaben die Anwohner beschäftigt. Vor allem die Trinkwasserversorgung in der Ortslage Lingen und die Verkehrssituation sorgten für Diskussionen.
Das Interesse war noch größer als bei der ersten Versammlung am 14. Juli. Weil der Sitzungssaal im Rathaus nicht für alle Besucher ausreichte, verfolgten einige die Diskussion vom Flur aus. Die Stadt hatte die Bürgerversammlung wegen Fehlern in der Bekanntmachung erneut angesetzt.
Bürger sorgen sich um Wasser und Verkehr
Besonders deutlich wurden die unterschiedlichen Einschätzungen beim Thema Trinkwasser. Eine Bürgerin aus Lingen äußerte die Sorge, dass „uns durch das Baugebiet das Wasser entzogen wird“. Die Häuser dort sind nicht an die städtische Wasserversorgung angeschlossen, sondern auf eigene Trinkwasserbrunnen angewiesen.
Der Erste Beigeordnete Simon Thienel hielt dagegen. Aus den bislang vorliegenden Gutachten lasse sich qualitativ ableiten, dass das Baugebiet keine Auswirkungen haben werde.
Auch beim Verkehr prallten die Einschätzungen aufeinander. Mehrere Bürger bezeichneten die Situation bereits heute als problematisch. Sie befürchten, dass zunächst der Baustellenverkehr und später die zusätzlichen Bewohner des Neubaugebiets die Straßen weiter belasten.
Grundsätzliche Zweifel an den Gutachten äußerte erneut Klaus Brunsmeier vom Verein Heesfelder Mühle. Ein Großteil der zugrunde liegenden Daten sei älter als fünf Jahre und damit veraltet und nicht mehr zulässig. Bürgermeister Armin Kibbert und Thienel widersprachen dieser Einschätzung entschieden. Zugleich verwiesen sie darauf, dass die vorgebrachten Fragen im weiteren Verfahren der Bauleitplanung geprüft und bewertet würden.
Bauplätze für junge Familien
Dass das geplante Baugebiet nicht nur auf Ablehnung stößt, machte ein Bürger deutlich. Er begrüßte ausdrücklich die Schaffung neuer Bauplätze. Gerade jungen Familien, die in Halver bleiben und dort bauen möchten, fehlten entsprechende Möglichkeiten.
Bis zum 24. August können Bürger im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung weitere Stellungnahmen und Hinweise einreichen. „Wir werden alle vorgebrachten Bedenken und Argumente zusammenfassen und beantworten“, sagte Kibbert.
Danach geht die Debatte in den politischen Gremien weiter. Im September und Oktober sollen sich die Fachausschüsse und der Rat mit dem weiteren Verfahren beschäftigen.









