Im Raum Plettenberg liegen der Unteren Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises mehrere belastbare Sichtungen eines (Eurasischen) Luchses vor. Die zeitliche Dichte der Nachweise zwischen November 2025 und Januar 2026 sowie deren unabhängige Herkunft sprechen laut Kreis-Experten für eine regelmäßige Raumnutzung im Märkischen Kreis. Das LANUK sei informiert. Die Hinweise würden derzeit weiter ausgewertet.
Die aktuellen Meldungen stammten von drei unterschiedlichen Personen und umfassten verschiedene Nachweise – darunter Sichtungen, Videoaufnahmen sowie Hinweise auf ein luchstypisch gerissenes Beutetier, berichtet der Märkische Kreis. „Sie bestätigen, dass sich das Tier nachweislich seit rund drei Monaten in der Region aufhält.“ Bereits im November war ein Luchs im angrenzenden Raum Meinerzhagen dokumentiert worden. Ob es sich um dasselbe männliche Tier (Kuder) handelt, lässt sich noch nicht eindeutig sagen.
„Dass wir innerhalb so kurzer Zeit mehrere voneinander unabhängige Hinweise dokumentieren konnten, ist fachlich sehr spannend“, heißt es aus der Unteren Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises. „Während Einzelnachweise oft auf durchziehende Jungtiere hindeuten, legt diese zeitliche Dichte nahe, dass der Märkische Kreis eine ausreichende Habitat-Qualität aufweist und vom Luchs aktiv genutzt wird. Die spannende Frage ist, ob sich hier wieder ein festes Revier etablieren kann.“
Besonders hervorzuheben ist, dass bei einer Begehung am Ort einer aktuellen Beobachtung zusätzlich Haarproben gesichert werden konnten. Diese werden nun durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) mikroskopisch untersucht und gegebenenfalls genetisch analysiert. Ziel ist es, die Artzugehörigkeit zweifelsfrei zu bestätigen und – sofern möglich – Hinweise auf Herkunft oder Individualität des Tieres zu gewinnen. Das LANUK ist also in den Vorgang eingebunden. Darüber hinaus liegen der Unteren Naturschutzbehörde Hinweise auf weiteres Fotofallenmaterial vor. Auch diese Aufnahmen sollen – sofern verfügbar – in die Gesamtbewertung einbezogen werden.
Bedeutung für den Artenschutz
Die Rückkehr des Luchses (Körperlänge: 80 bis 120 Zentimeter; Schulterhöhe: 50 bis 70 Zentimeter; Kuder sind größer als eine Luchs-Katze) gilt als großer Erfolg des europaweiten Artenschutzes. Der Eurasische Luchs war in Deutschland über viele Jahrzehnte ausgerottet und konnte erst durch Wiederansiedlungsprojekte und strengen gesetzlichen Schutz zurückkehren.
Heute existieren stabile Populationen unter anderem im Harz, im Bayerischen Wald und im Pfälzer Wald, die sich aufgrund der Entfernung nicht austauschen können – und daher weiterhin gefährdet bleiben. In Nordrhein-Westfalen sind Nachweise bislang selten – und gelten deshalb als besonders. Vor diesem Hintergrund ist auch das geplante Wiederansiedlungsprojekt für den Luchs in Nordrhein-Westfalen von großer Bedeutung. Der Märkische Kreis verfolgt diese Planungen mit großem Interesse und signalisiert grundsätzlich seine Bereitschaft, ein solches Projekt fachlich zu unterstützen.
Bevölkerung kann wertvolle Hinweise geben
In den Wintermonaten, insbesondere zwischen Februar und April, beginnt beim Eurasischen Luchs die sogenannte Ranzzeit, also die Paarungszeit. In dieser Phase sind die Tiere deutlich aktiver und geben teils hörbare Rufe in großen Entfernungen von sich. Dadurch können aufmerksame Naturfreunde einen wichtigen Beitrag zum Monitoring leisten. Denn: Typisch sind raue, heisere Schreie, die kilometerweit durch den Wald hallen können. Treffen mehrere Tiere aufeinander, können auch sehr hohe, schrille Lautäußerungen auftreten. Zusätzlich bieten Schnee und feuchte Böden gute Voraussetzungen dafür, Fußspuren zu erkennen.
Experten betonen ausdrücklich, dass vom Luchs keine Gefahr für Menschen ausgeht. Die Tiere leben heimlich und sind getarnt. Sie flüchten nicht sofort, wenn sie entdeckt werden, ziehen sich aber gelassen und lautlos zurück. In Europa sind keine dokumentierten Angriffe auf Menschen bekannt. Auch Übergriffe auf Nutztiere sind selten. In NRW gibt es demnach bislang keinen offiziell bestätigten Luchsriss an Weidetieren.
Die Untere Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises und das LANUK bitten die Bevölkerung, mögliche Hinweise auf Luchse zeitnah zu melden. Jede Beobachtung – ob Foto, Video, Spuren oder akustische Wahrnehmung – könne helfen, Wanderbewegungen besser zu verstehen und Schutzmaßnahmen weiterzuentwickeln.
Kontakt
Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK), Bereich Wolfs- und Luchsmonitoring: E-Mail [email protected], Telefon (werktags 9 bis 16 Uhr) 02361 3053322, außerhalb der Geschäftszeiten 0201 714488
Untere Naturschutzbehörde Märkischer Kreis: [email protected]











