Die geplante Aufgabe des Lehrschwimmbeckens an der Grundschule Lösenbach sorgt bei der Fraktion DIE LINKE im Rat der Stadt Lüdenscheid für Fragen. Die Fraktion hat der Verwaltung einen umfangreichen Fragenkatalog geschickt und begründet ihn mit den anstehenden Entscheidungen über die Zukunft des Schulschwimmens. Die Antworten seien aus ihrer Sicht notwendig, um dem Hauptausschuss und dem Rat eine faktenbasierte Grundlage für die Beratung zu geben.

Die Verwaltung wird daher um eine schriftliche Beantwortung sowie um eine mündliche Berichterstattung bereits in der Hauptausschusssitzung am 5. Oktober gebeten.

Die Antworten sollen nach Vorstellung der Fraktion in die Beratung über die Beschlussvorlage Nr. 244/2026 und mögliche Änderungsanträge einfließen.

In dieser Beschlussvorlage Nr. 244/2026 schlägt die Verwaltung vor, dauerhaft auf das Lehrschwimmbecken (LSB) zu verzichten und dessen späteren Rückbau zu beschließen. Das Schulschwimmen soll perspektivisch an einem neuen zentralen Standort auf dem Forum-Areal gebündelt werden. Eine Übergangslösung mit Ausweichzeiten am Nattenberg soll nach Darstellung der Verwaltung erst „rechtzeitig vor Aufgabe des Lehrschwimmbeckens“ erarbeitet werden.

Frage nach der tatsächlichen Unterrichtszeit

Für die Linke stellt sich damit insbesondere die Frage, welche Auswirkungen die geplante Neuordnung auf die tatsächliche Unterrichtszeit im Wasser und damit auf die Qualität des Schwimmunterrichts haben wird.

Schwimmenlernen ist eine zentrale Basiskompetenz und zugleich verbindlicher Bestandteil des Schulsports in Nordrhein-Westfalen, argumentiert die Fraktion. Die geltenden Richtlinien und Lehrpläne für die Primarstufe sehen ein vierstufiges Niveaustufenkonzept vor, dessen Erreichen im Grundschulzeugnis dokumentiert werden muss. Es reicht von der Wassergewöhnung und den grundlegenden Fertigkeiten über die Basisstufe Schwimmen bis zur Niveaustufe 4 „Sicher Schwimmen“.

Angesichts der angespannten Verkehrssituation und zahlreicher Baustellen im Stadtgebiet warnt die Fraktion davor, dass längere Anfahrtswege die verfügbare Unterrichtszeit erheblich verkürzen könnten.

Was bleibt an Netto-Wasserzeit übrig?

Die Verwaltung soll deshalb für jede Lüdenscheider Grundschule konkret darstellen, wie viele Minuten einer 90-minütigen Schwimm-Doppelstunde tatsächlich als Netto-Wasserzeit verbleiben. Dabei sollen unter anderem die Bereitstellung und Fahrt der Schülerinnen und Schüler, reale Verkehrszeiten, mögliche Baustellenverzögerungen, Fußwege sowie das Umkleiden und Duschen berücksichtigt werden.

Gefragt wird sowohl nach dem Status quo als auch nach der geplanten Situation im neuen Hallenbad auf dem Forum-Areal.

Besonders kritisch sieht die Fraktion die Möglichkeit, dass die Netto-Wasserzeit unter 30 Minuten pro Doppelstunde sinken könnte. Die Verwaltung soll erläutern, wie sie in einem solchen Fall die pädagogische und fachliche Wirksamkeit des Schwimmunterrichts bewertet.

Ein weiterer Fragenkomplex betrifft die verbindlichen Niveaustufen des nordrhein-westfälischen Lehrplans. Insbesondere die Niveaustufe 4 stellt hohe Anforderungen: Dazu gehören unter anderem 15 Minuten Dauerschwimmen mit mindestens 200 Metern Strecke oder alternativ ein 100-Meter-Zeitschwimmen innerhalb einer vorgegebenen Zeit sowie weitere Anforderungen.

Die Linke will deshalb wissen, wie viele Lüdenscheider Grundschülerinnen und Grundschüler in den vergangenen drei Schuljahren am Ende der vierten Klasse die Niveaustufe 4 erreicht haben.

Unklar ist aus Sicht der Fraktion außerdem, welche konkreten Folgen die Aufgabe des Lehrschwimmbeckens Lösenbach für die betroffenen Schulen hätte. Die Verwaltung soll offenlegen, welche Schulen und Jahrgangsstufen das Lehrschwimmbecken im laufenden Schuljahr 2026/2027 nutzen und in welchem Umfang dort Schwimmunterricht stattfindet.

Gleichzeitig verlangt DIE LINKE konkrete Angaben dazu, auf welche Ersatz-Wasserflächen die betroffenen Klassen nach einer Schließung ausweichen sollen.

Übergangszeit problematisch

Besonders problematisch könnte nach Auffassung der Fraktion die Übergangszeit werden. Laut dem zugrunde liegenden Gutachten ist der Weiterbetrieb des Lehrschwimmbeckens in Lösenbach aus statischer Sicht nur noch für etwa drei Jahre, also ungefähr bis 2029, prognostizierbar. Das geplante Hallenbad auf dem Forum-Areal soll dagegen frühestens 2031 zur Verfügung stehen.

Damit könnte eine mehrjährige Übergangsphase entstehen, für die aus Sicht der Linken bislang konkrete Antworten fehlen.

Auch mögliche Folgen für die freie Schwimmausbildung sollen untersucht werden. So fragt die Fraktion, in welchem Umfang zusätzliche Belegungen des Nattenbergs während der Übergangsjahre zu Einschränkungen oder Verdrängungen bei Schwimmkursen führen könnten.

Neben der Unterrichtsqualität nimmt die Anfrage auch die finanziellen und organisatorischen Folgen der geplanten Neuordnung in den Blick. Auch die praktische Umsetzbarkeit des zusätzlichen Busverkehrs ist Gegenstand der Anfrage.