Goldene Herbsttage laden noch einmal zur Motorradtour ein. Doch mit der kühleren Jahreszeit ändern sich auch die Bedingungen auf der Straße: Laub, feuchte Fahrbahnen, schlechte Sicht und Wildwechsel können schnell zur Gefahr werden. Die Polizei gibt Tipps für die letzten Touren der Saison.
Mit angepasster Fahrweise durch den Herbst
Regen und kühle Temperaturen im Frühjahr, anschließend sommerliche Hitze: Das Wetter hat Motorradfahrern in diesem Jahr bislang wechselhafte Bedingungen beschert. Nasse Straßen können Motorradtouren ebenso unattraktiv machen wie hohe Temperaturen: Bei mehr als 30 Grad wurde das Tragen einer vollständigen Schutzkleidung für Motorradfahrer zur zusätzlichen Belastung. Viele Zweiradfahrer hoffen nach dem wechselhaften Sommer nun auf einen trockenen und gemäßigten Herbst. Der vergangene September und die Wetteraussichten für die kommenden Wochen scheinen diesem Wunsch entgegenzukommen.
Vor zu großer Euphorie angesichts der auf den ersten Blick guten Bedingungen warnt aber die Kreispolizeibehörde des Märkischen Kreises, denn herbstliche Motorradfahrten können weiterhin reizvoll sein. Die Bedingungen unterscheiden sich jedoch teilweise deutlich von denen im Sommer. Kühle und feuchte Fahrbahnen, Laub, Ernteverschmutzungen, schlechtere Sicht und Wildwechsel erfordern eine vorausschauende Fahrweise.
Weniger Sonne, mehr Risiko
Auch wenn die Temperaturen tagsüber noch sommerlich sein können, sind die Straßenverhältnisse aufgrund der kühleren Temperaturen in der Nacht längst nicht mehr mit denen in den Sommermonaten zu vergleichen. Das merken vor allem die Motorradfahrer, die ihre Zweiräder für eine Samstags- oder Sonntagstour früh am Morgen aus der Garage holen. Um acht Uhr muss die Thermowäsche noch unter die Lederkombi oder das Futter in die Gore-Tex Jacke. Mittags wiederum ist diese Kleidung dann viel zu warm.
Aber nicht nur der Wohlfühlfaktor ändert sich über den Tag. Auch das Fahrverhalten muss dem sich über den Tagesverlauf ändernden Straßenbelag angepasst werden. "In der Nacht kühlt der Asphalt jetzt deutlich mehr aus, wodurch Motorradreifen auch an schönen Herbsttagen in der Regel länger brauchen, um eine optimale Betriebstemperatur und damit maximale Haftung zu erreichen. Auch sind die Straßen in den Morgen- und Abendstunden oftmals noch feucht und damit rutschig. Seien Sie deshalb aufmerksam und passen Sie Ihre Geschwindigkeit den Witterungsverhältnissen an!", warnt die Polizei.
Gefahr durch Verschmutzungen und langsam fahrende Fahrzeuge
Neben der Kälte können im Herbst herabgefallene Blätter auf den Straßen zum Problem werden. Sind diese auch noch nass, wird die Straße zur Rutschbahn. Gleiches gilt für die Ernterückstände, die die Landwirte häufig gerade beim Verlassen der Felder verlieren. Hier sind besonders gefühlvolles Bremsen und Gasgeben gefragt. Auch Schräglagen sollte jeder Zweiradfahrer auf diesem Untergrund tunlichst vermeiden.
Im Herbst sind außerdem vermehrt landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs. Gerade auf schmalen und unübersichtlichen Straßen können Traktoren und Erntemaschinen zu einer zusätzlichen Gefahr werden. Die Polizei weist darauf hin, dass solche Gefahrenstellen teilweise erst spät erkennbar sind. Besonders in Kurven oder beim Bremsen können plötzlich auftauchende beziehungsweise langsam fahrende Fahrzeuge problematisch werden. Deshalb gilt insbesondere auf landwirtschaftlich geprägten Strecken: Geschwindigkeit reduzieren, ausreichend Abstand halten und mit Fahrzeugen rechnen, die von Feldwegen oder Grundstückszufahrten auf die Straße einbiegen.
Motorradfahrer werden leicht übersehen
Schon im Sommer, bei besten Lichtverhältnissen werden Motorradfahrer aufgrund ihrer schmalen Silhouette oft übersehen. Die Sichtverhältnisse sind im Herbst noch deutlich ungünstiger als in der Sommerzeit. Die in dieser Zeit tiefer stehende Sonne kann eine extreme Blendung hervorrufen, sowohl bei den Motorradfahrenden selbst als auch bei anderen Verkehrsteilnehmern. Deswegen der Appell der Polizei: "Behalten Sie dies beim Motorradfahren im Blick! Rechnen Sie immer mit den Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer, wenn Sie sich zum Beispiel einer Kreuzung, Einmündung oder auch einem Wanderparkplatz nähern. Fahren Sie deshalb defensiv und machen Sie sich zu jeder Zeit durch entsprechende Bekleidung sichtbarer für andere Verkehrsteilnehmer!"
Veränderte Dämmerungszeiten und Wildwechsel
Nicht nur andere Verkehrsteilnehmer stellen im Herbst eine Gefahr für Motorradfahrer dar. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands steigt das Risiko für Wildunfälle im Herbst. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung müssen Verkehrsteilnehmer mit Wildwechsel rechnen. Wenn Wild die Fahrbahn überquert, wird es für Zweiräder besonders gefährlich, denn das Ausweichen auf zwei Rädern ist schwieriger als mit einem Auto. Und wenn es zum Zusammenstoß mit einem Reh kommt, sind die Folgen für den Fahrer meist schwerwiegender als für den eines Pkw. Auch hier der Rat der Polizei: "Seien Sie aufmerksam und passen Sie Ihre Geschwindigkeit den örtlichen Verhältnissen an! Die gefahrene Geschwindigkeit kann entscheidend sein, wenn plötzlich Wild auf die Fahrbahn läuft: Je langsamer man unterwegs ist, desto mehr Zeit verbleibt zum Reagieren", heißt es in einer Information der Polizei, die allen Fahrern zum Saisonende hin noch eine gute und sichere Fahrt wünscht.








