"Danke, dass ihr die Feuerwehr seid, die ich gerne anrufen würde, wenn ich sie brauche." Mit diesen Worten dankte Wehrleiter Jens Klatt im Rahmen der Jahresdienstbesprechung den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde.

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Außerdem betonte er die Wichtigkeit dieses Ehrenamtes - und dankte auf diesem Wege nicht nur den Kräften selbst, sondern auch "den Partnerinnen und Partnern, die dieses Amt mittragen". Und, wie zur Bestätigung seiner Worte, ging während der Versammlung der Melder los: Ein Bewohner eines Hauses an der Bachstraße hatte sich ausgesperrt und das Essen auf dem Herd stehenlassen. Ein Teil der Einsatzkräfte rückte aus, kehrte jedoch, nach einem glimpflichen Ausgang des Einsatzes, schon kurze Zeit später in die Aula der Grundschule zurück.

116 Einsätze im vergangenen Jahr - Alltag zwischen Brand und Hilfeleistung

Klatt, der selbst, wie er erklärte, seit mittlerweile 829 Tagen im Amt ist, blickte in seiner Präsentation auf das vergangene Jahr und zahlreiche Einsätze zurück. Darunter Ölspuren, Tragehilfen für den Rettungsdienst, aber auch insgesamt 18 Brände.

Besonders hob er dabei den Brand auf einem Wohnwagenstellplatz an der Altenaer Straße hervor. Mehrere Fahrzeuge wurden durch die enorme Hitze beschädigt, und die Erleichterung sei groß gewesen, "dass sich in keinem Wohnwagen Menschen befanden und somit auch niemand zu Schaden kam", wie er betonte.

Ein weiterer Einsatz alarmierte die Feuerwehr nach Veserde, wo die Ladung eines Müllautos in Brand geraten war. Der Vorfall erwies sich als "technisch herausfordernd" für die Einsatzkräfte, konnte jedoch schnell unter Kontrolle gebracht werden.

Für Aufsehen sorgte zudem eine kilometerlange Ölspur auf der B 236, die eine Vollsperrung der Bundestraße nach sich zog, Insgesamt, so erklärte Klatt, entfielen rund 20 Prozent der gesamten Einsätze auf technische Hilfeleistungen. Hier möchte die Wehrleitung Gespräche mit den zuständigen Stellen führen, um Aufgaben künftig klarer zu verteilen.

"Stellt bei jedem Vorfall einen Strafantrag"

Deutliche Worte fand der ebenfalls anwesende Kreisbrandmeister Michael Kling für einen Vorfall, der für erhebliche Verstimmung sorgte: Ein Autofahrer hatte Einsatzkräfte zunächst beschimpft und schließlich sogar einen Feuerwehrmann verletzt. Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt. Michael Kling appellierte: "Stellt bei jedem Vorfall dieser Art einen Strafantrag." Zudem sei wichtig, dass die Gemeinde begleitend Strafanzeige stelle - diese könne nicht zurückgezogen werden. Rund die Hälfte solcher Vorfälle verlaufen laut Kling "im Nichts". "Ich würde das nie machen", erklärte er mit Blick auf zurückgezogene Anträge. Außerdem hoffe er auf "ein Umdenken bei den Strafverfolgungsbehörden".

"Ich habe dem Innenminister von Nordrhein-Westfalen geschrieben"

Auch Bürgermeisterin Birgit Tupat zeigte sich empört über die Einstellung des Verfahrens. Den Einstellungsgrund bezeichnete sie als "an den Haaren herbeigezogen". Sie habe den Innenminister schriftlich über den Vorfall informiert und warte nun auf eine Reaktion. Und stellte eine grundsätzliche Frage: "Wie sollen wir vor dem Hintergrund Kräfte für die Feuerwehr gewinnen?"

Kreisbandmeister Michael Kling, Bürgermeisterin Birgit Tupat und Wehrleiter Jens Klatt
Foto: Herold

32 Frauen engagieren sich aktuell in der Wehr - mehr als jemals zuvor

Trotz der Debatte um Respekt und Sicherheit entwickelt sich die Mitgliederzahl erfreulich. Neben 112 Männern sind 32 Frauen in der Wehr aktiv - ein Rekordwert. Acht Neueintritte standen im vergangenen Jahr sechs Austritten gegenüber. Eine groß angelegte Werbekampagne mit externer Marketingagentur blieb hingegen ohne Erfolg. Für Wehrleiter Jens Klatt ist klar: Persönliche Ansprache und kontinuierliche Nachwuchsarbeit wirken nachhaltiger als Hochglanzwerbung.

Gleichzeitig bestehe jedoch Handlungsbedarf, obwohl die Feuerwehr laut Brandschutzbedarfsplan der Doppelgemeinde als handlungsfähig gilt. Tagsüber stehen jedoch laut Klatt lediglich 17 Einsatzkräfte zur Verfügung, da viele Mitglieder außerhalb arbeiten. Um dauerhaft schlagkräftig zu bleiben, müsse diese Zahl steigen.

Ehrung für zehn Jahre aktiven Dienst

Ein Zeichen der Wertschätzung setzte die Feuerwehr mit der Ehrung von Marvin Schmidt, der für zehn Jahre aktiven Dienst ausgezeichnet wurde.