Ein kühler Wind zieht durch den Ortskern, das Thermometer zeigt rund 15 Grad, immer wieder klatschen Regenschauer auf den Asphalt. Das Wetter zeigt sich an diesem Freitag, 12. Juni, wenig sommerlich. Doch wer glaubt, das halte die Menschen von einem Besuch der 7. Breckerfelder Museumsnacht ab, täuscht sich.
Unter Pavillons sammeln sich Musiker, Künstler und Gastronomen, während Besucher Schutz unter Vordächern suchen. Schnell entstehen Gespräche. „Warst du schon da hinten?“, fragt jemand, während ein anderer von einer bestimmten Ausstellung schwärmt. Es geht um Fotografie, um Malerei, um Geschmack — und darum, wie unterschiedlich dieser sein kann. Gemälde, mal abstrakt, mal realistisch, Fotografien, gestochen scharf fokussiert oder bewusst verschwommen: Die Vorlieben sind so vielfältig wie die Kunst selbst.
Die Stadt als Motiv
Beim Weitergehen fällt ein Motiv immer wieder ins Auge: Breckerfeld selbst. Vor allem die beiden Kirchtürme tauchen in zahlreichen Werken auf — und doch gleicht keines dem anderen. Mal als detailgetreue Darstellung, mal als farbenfrohe Interpretation, mal als beinahe aufgelöstes Bild in experimenteller Fotokunst. Die Stadt zeigt sich an diesem Abend in vielen Facetten — und wird in vielen Facetten dargestellt.
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Volle Räume statt voller Straßen
Hatte sich der Himmel zu Beginn der Museumsnacht gegen 17 Uhr noch etwas aufgeklart, lenkt der Regen die Besucherströme gut eine Stunde später nach drinnen — ein Vorteil für viele Aussteller. „Durchgehend volles Haus“, berichtet Fotograf Christof Wippermann zufrieden. Auch im gegenüberliegenden Haus freut sich Peter Suck über regen Zulauf, ebenso wie Claudia Kuhnig-Bauer. Rund 50 ihrer Werke zeigt sie in der Märkischen Volksbank, und sie schickt immer wieder Besucher weiter in die evangelische Kirche. Denn dort stellen nicht nur die Mitstreiter ihrer „KuBa’s Kreativrunde“, ein Zusammenschluss mehrerer Hobbykünstlerinnen und -künstler, aus — zu sehen ist dort auch ein Gemeinschaftsprojekt mit der WG Regenbogen aus Ennepetal. Fünf junge Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen haben daran mitgewirkt. Die kleine Ausstellung berührt.

Junge Perspektiven und große Bandbreite
Im Jugendzentrum hängen Arbeiten der Grundschule und der St. Jacobus-Schule Breckerfeld — entstanden in verschiedenen Klassenstufen, umgesetzt in unterschiedlichen Projekten. In der katholischen Kirche dagegen zeigen Schülerinnen und Schüler des Städtischen Gymnasiums aus der Nachbarstadt Gevelsberg ihre Werke.
Die Vielfalt der Museumsnacht überrascht erneut: Malerei, Fotografie, Skulpturen, thematische Serien. Manche Künstler präsentieren ihr gesamtes Schaffen, andere konzentrieren sich auf ein Thema. Über 40 Orte beteiligen sich in diesem Jahr — von Ladenlokalen über Praxen bis hin zu Büros und Kirchen. Neben bildhafter Kunst gibt's in einigen Locations auch Kreativ-Workshops oder Lesungen. Selbst eigentlich leerstehende Ladenlokale sind geöffnet und verwandeln sich für einen Abend in Galerien.
Musik zieht durch die Straßen
Zwischen den Stationen liegt Musik in der Luft. DJ Norik sorgt am Marktplatz für rhythmische Übergänge, der evangelische Posaunenchor Breckerfeld setzt klassische Akzente. Malik & Friends lassen Trommeln erklingen, während die Coverband „Padiva“ und das Duo Anna & Hendrik bekannte Songs spielen.
Plötzlich taucht der Walking-Act „Walk of Fame“ auf, bleibt stehen, spielt, zieht weiter. Menschen folgen, bleiben stehen, gehen weiter — es ist ein ständiges Kommen und Gehen auf der Frankfurter Straße und in den anliegenden Gassen.
Kleine Stärkungen, große Gespräche und ein Jubiläum
In vielen Locations stehen Snacks und Getränke bereit. Es wird geknabbert, getrunken, diskutiert. Die Kunst bringt Menschen zusammen — und sorgt für Begegnungen, die über das Betrachten hinausgehen.
Zwischen all dem Trubel gibt es auch einen Moment der besonderen Anerkennung: Die Kunstfreunde Breckerfeld feiern in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Bürgermeister André Dahlhaus überreicht eine Urkunde und lobt das Engagement des Vereins für die Kulturszene der Hansestadt.
Mehr als ein Abend
Gegen 23 Uhr endet die Museumsnacht, zumindest offiziell. Sechs Stunden, die dicht gepackt sind mit Eindrücken. Hinter diesem kompakten Zeitraum steckt viel Arbeit. Tim Buck und Nina Schülken vom Kulturamt organisieren das Event zum zweiten Mal — und wissen inzwischen, wie aufwändig Planung und Koordination sind. Ihren Vorgänger Johannes Dennda vom Museumsverein würdigen sie mit großem Respekt: „Johannes hat die Museumsnacht fünfmal hintereinander geplant, organisiert und koordiniert — und zu dem gemacht, was sie heute ist: Ein Event, das Künstler und Besucher gleichermaßen gut annehmen.“
Der Aufbau selbst liegt dabei größtenteils in den Händen der Künstler und Locations selbst. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Organisation und Eigeninitiative, die den besonderen Charakter der Breckerfelder Museumsnacht ausmacht.
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Wetter egal, Wirkung bleibt
Der Regen in diesem Jahr hat die Museumsnacht nicht getrübt — er hat sie verändert. Mehr Nähe, mehr Gespräche, mehr Zeit in den Ausstellungen. Viele Künstler jedenfalls berichten von einem besseren Besuch als im heißen Vorjahr, als sich die Museumsnacht-Szene überwiegend "auf der Straße" abspielte.
Fest steht, die Veranstaltung ist nochmals gewachsen, zieht zunehmend auch Publikum von außerhalb an. Und Breckerfeld zeigt an diesem Abend, was möglich ist, wenn Kunst, Engagement und Gemeinschaft zusammenkommen — ganz unabhängig vom Wetter.






