Lange wurde diskutiert, geplant und gestritten — jetzt steht es einfach da: Breckerfeld hat sein Gipfelkreuz. Allerdings anders als gedacht. Nicht die Stadt, sondern die Betreiber des „Haus Wengeberg“ haben Fakten geschaffen — leise, privat und verbunden mit einer erfreulichen Ankündigung.

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Ein Dauerthema mit Geschichte

Der Wunsch nach einem Gipfelkreuz beschäftigt Breckerfeld seit Jahren. Kein Wunder: Mit 442 Metern erhebt sich der Wengeberg als höchste Stelle des Ruhrgebiets über das südöstliche Revier. Damit liegt der „Gipfel des Ruhrgebiets“ ausgerechnet im Sauerland, ausgerechnet in der kleinsten Kommune des Ennepe-Ruhr-Kreises.

Bereits 2019 nahm das Projekt in der politischen Diskussion konkrete Formen an, Fördergelder aus dem Programm Vital.NRW sollten finanziell helfen, das Kreuz zu errichten. „Die Initiatoren und die Stadtverwaltung gehen davon aus, dass diese Aufmerksamkeit unter touristischen Gesichtspunkten einen Mehrwert für die Hansestadt bringen kann“, hieß es in der damaligen Beschlussvorlage.

Der Hagener Künstler Günter Blanck entwarf ein 3,25 Meter hohes Kreuz aus Kohle und Stahl — als Reminiszenz an die industrielle und bergbauliche Vergangenheit des Ruhrgebiets. Schließlich hatte auch Breckerfeld seine Hochzeit im 14. und 15. Jahrhundert mit der Erzgewinnung und -verarbeitung. Genau darauf sollte die spezielle Gestaltung des Kreuzes hinweisen. Der Standort, ein etwa 20x20 Meter großes Areal etwas unterhalb des „Haus Wengeberg“ stand ebenfalls fest.

Doch die Pläne versandeten. Anwohner äußerten Bedenken, sammelten Unterschriften gegen das Kreuz und warnten vor mehr Müll und mehr Verkehr aufgrund des zu erwartenden Besucherandrangs. Auch der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen kritisierte die Finanzierung: Rund 22.000 Euro sollte das Projekt kosten, inklusive Zuwegungen und Platzgestaltung mit Zaun und Hecke. Dem Verband erschien dies eine Nummer zu groß — und letztlich auch der Breckerfelder Politik.

Besucher ohne Ziel

Dass das Thema dennoch in den Köpfen weiterlebte, zeigte sich immer wieder. „Es kamen tatsächlich einmal zwei Reisebusse nach Breckerfeld, deren Gäste das Gipfelkreuz sehen wollten — das es gar nicht gab“, berichtet Johannes Dennda vom Museumsverein im Gespräch mit LokalDirekt und schüttelt schmunzelnd den Kopf. Auch örtliche Vereine und Stadtmarketing griffen die Idee in den vergangenen Jahren immer wieder mal auf. Doch eine Umsetzung blieb aus.

Private Initiative statt großer Politik

Jetzt hat sich die Situation überraschend geändert. Die Betreiberfamilie Kapulica vom „Haus Wengeberg“ nutzte die monatelange Schließzeit ihres Restaurants für einen Neustart — und setzte dem Wengeberg kurzerhand selbst ein Kreuz auf.

Auf dem Aussichtstürmchen im Garten des Lokals ragt nun ein rund drei Meter hohes hölzernes Kreuz in den Himmel. Der entscheidende Unterschied zu den ursprünglichen städtischen Planungen: Das Kreuz steht auf Privatgelände und ist nur über das Restaurant zugänglich. Damit entkräften die Betreiber zugleich die alten Kritikpunkte. Wildes Parken und Müllprobleme dürften also ausbleiben — und den Steuerzahler hat es auch keinen Cent gekostet.

Johannes Dennda bringt es auf den Punkt: „Endlich hat Breckerfeld am Wengeberg sein Gipfelkreuz bekommen — möglich gemacht durch privates Engagement, Tatkraft und den typischen hanseatischen Unternehmergeist.“

Traditional half-timbered building with a steep, thatched roof and a cross on top, displaying signs for 'Haus Wengeberg' and a 'Biergarten'. Decorated balconies and old wagon wheels add to the rustic charm of the building.
Das "Haus Wengeberg", gelegen am höchsten Punkt des Ruhrgebiets, setzte auf seinem Gelände das Gipfelkreuz in die Tat um.
Foto: Satur

Neustart mit neuem Konzept

Parallel feiert das „Haus Wengeberg“ am Freitag, 26. Juni, seine Wiedereröffnung. Nach sechs Monaten Pause schlägt die Familie Kapulica ein neues Kapitel auf. „Der Abschied fiel uns damals unglaublich schwer. Aber der Rückhalt unserer Gäste hat uns gezeigt: Es muss weitergehen“, erklären die Betreiber.

Das Konzept verändert sich deutlich, wie LokalDirekt auf Nachfrage erfuhr. Statt klassischem À-la-carte-Angebot setzt das Haus künftig auf Kaffee, Kuchen, Brunch und eventuell kulinarische „Special Events“ sowie das Angebot, im Haus Familienfeiern auszurichten. Auch Pensionszimmer sollen entstehen. Hintergrund für die Entscheidung, das einstige Restaurantkonzept zu verändern, seien nicht zuletzt die Schwierigkeiten, Personal für Küche und Service zu finden.

„Nach 40 Jahren gibt man so ein Haus nicht einfach ab“, heißt es aus der Inhaberfamilie. Mehrere Interessenten hätten sich gemeldet — sogar aus Köln und Gelsenkirchen —, doch eine passende Lösung sei nie dabei gewesen. Daher habe man nun familienintern beschlossen, das „Haus Wengeberg“ wieder zu eröffnen.

„Wir haben die Diskussion um das Gipfelkreuz damals ja mitbekommen, es waren Politiker hier vor Ort. Wir hätten es begrüßt, auch aus unternehmerischer Sicht“, erfuhr LokalDirekt im Gespräch am Freitag, 19. Juni. Weil das Thema seitens der Stadt aber offenbar vom Tisch war, sei man nun eben selbst aktiv geworden: „Damit Breckerfeld endlich sein verdientes Kreuz bekommt.“ Ganz uneigennützig dürfte diese Entscheidung nicht gewesen sein. Schließlich lässt sich das Gipfelkreuz gut als Marketinginstrument nutzen. 

Freude über den „Gipfelmoment“

Viele Breckerfelder dürfte die Nachricht freuen, dass ihnen das Lokal am Wengeberg wider Erwarten doch unter bekannter Leitung erhalten bleibt. Und während sich damit ein neues kulinarisches Kapitel öffnet, schließt sich zugleich die Geschichte der langen Debatte um das Gipfelkreuz. Der höchste Punkt des Ruhrgebiets hat am Ende also doch noch sein Symbol bekommen — nicht durch große politische Beschlüsse, sondern durch eine pragmatischen und, im wahrsten Wortsinn, lokale Eigeninitiative.