Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Heinz-J. Bontrup war zu Gast bei den Senioren der Gewerkschaft Ver.di im Märkischen Kreis. Im Mittelpunkt der Vortragsveranstaltung in Lüdenscheid stand die Vorstellung seines neuen Buches „Erbeuteter Reichtum – Wege aus der neoliberalen Zerstörung“.
Sozialstaat, Gesundheit und Bildung im Fokus
Im Mittelpunkt des Abends standen die Fragen, wie sich der Sozialstaat weiterentwickeln lasse, wie ein Gesundheitswesen aussehen müsse, das den Menschen dient, und wie Bildungspolitik sowie Kommunen so ausgestattet werden können, dass sie ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen. Bontrup machte deutlich: "Der gesellschaftliche Reichtum ist vorhanden, um all dies zu ermöglichen – doch er ist extrem ungleich verteilt."
Ungleichheit als zentrales Problem
Während die Ärmsten sanktioniert würden, blieben Vermögende weitgehend verschont. Ihren „erbeuteten Mehrwert“, so Bontrup, müssten sie nicht abgeben. Diese Ungleichheit zieht sich wie ein roter Faden durch seine Analysen und bildet den Kern seines neuen Buches.
Kritik an neoliberaler Wirtschaftspolitik
In seinem Vortrag beleuchtete Bontrup zudem verschiedene Aspekte der wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Er ging auf die Rolle des Kapitalismus und wirtschaftsliberaler Theorien ein und zeigte, wie diese zur Rechtfertigung sozialer Ungleichheit beitragen. Zudem forderte er ein konsequenteres Vorgehen gegen Kartelle und kritisierte die Praxis, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu vergesellschaften.
Auch die Ausrichtung vieler Märkte stand in der Kritik. Eine einseitige Niedrigpreispolitik gehe zulasten von Beschäftigten, Qualität und öffentlicher Daseinsvorsorge. Darüber hinaus benannte Bontrup hohe Managergehälter und bestehende Machtstrukturen als Treiber sozialer Ungleichheit.
Folgen für Gesellschaft und Demokratie
Der Wirtschaftswissenschaftler machte deutlich, dass zunehmende Prekarisierung, marktradikale Politik und steigende Rüstungsausgaben gesellschaftliche Spannungen verschärfen. Diese Entwicklungen könnten demokratische Strukturen schwächen. Gleichzeitig betonte er, dass politische und wirtschaftliche Alternativen vorhanden seien.
Gewerkschaften in der Verantwortung
Den Gewerkschaften wies Bontrup eine zentrale Rolle zu: Sie müssten dem Sozialabbau entgegenwirken und sich für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands einsetzen. Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich bezeichnete er als „nicht hinnehmbar“.
Die Teilnehmer verfolgten den Vortrag mit großem Interesse. Eine Fortsetzung der Diskussion ist bereits geplant: Das Angebot des Referenten, eine weitere Veranstaltung durchzuführen, wurde begrüßt. Ver.di Südwestfalen plant nun einen weiteren Termin nach den Sommerferien.










