Trockenheit und Hitze lassen die Waldbrandgefahr steigen. Experten warnen: Nicht Brandstiftung, sondern vor allem Unachtsamkeit ist derzeit das größte Risiko.

Waldbrandgefahr steigt

"Die Situation wird jeden Tag heikler", sagt Yannik Prümers, Revierleiter in Halver, im Gespräch mit LokalDirekt. Die Rede ist von der immer größer werdenden Waldbrandgefahr, die auch Halver bedroht. "Man darf das definitiv nicht unterschätzen, auch wenn es bei uns noch nicht ganz so schlimm ist wie in Frankreich oder Spanien."

Den Umstand, dass Halver und auch der gesamte Märkische Kreis bisher von großen Bränden verschont blieben, vermutet er darin, dass aktuell viele Menschen im Urlaub sind, denn, so Prümers: "Die meisten Feuer entstehen durch Unachtsamkeit. Das kann der aus dem Auto geworfene Zigarettenstummel oder das kleine Lagerfeuer im Wald sein, mit dem man eine Dose erwärmen wollte."

Fahrlässigkeit ist das größte Problem

Ihm erschließt sich nicht, warum viele Menschen die Gefahr nicht erkennen können oder wollen: „Fahrlässigkeit und Gedankenlosigkeit sind aktuell ein größeres Problem als aktiv gelegte Feuer“, ist sich Prümers sicher.

Eine Einschätzung, die auch Miriam Franzke, Waldbrandbeauftragte des Regionalforstamtes, teilt: „Der Mythos, dass im Wald liegende Glasscherben Brände auslösen könnten, hält sich hartnäckig, ist aber sehr unrealistisch. Die Mehrzahl der Brände entstehen durch Zigarettenstummel.“

Heiße und falsch geparkte Pkw sind ein Sicherheitsrisiko

Eine weitere Gefahr, auf die sie hinweist, sind die vermehrten Anreisen per Pkw zu den begehrten Ausflugszielen. Wenn die offiziellen Parkplätze voll sind, parken die Fahrer gern am Straßenrand und dort dann meist auf dem vertrockneten Gras: „Und heiße Auspuffanlagen, die mit dem strohigen Gras in Verbindung kommen, sind schlichtweg gefährlich“, sagt Miriam Franzke.

Auch die oftmals in Waldeinfahrten geparkten Wagen stellen ein Sicherheitsrisiko dar, denn sie versperren den Einsatzfahrzeugen im Ernstfall den Zugang zum Brandort.

Schilder, die zeigen, was jeder tun kann, um Waldbrände zu vermeiden, sind in den Wäldern rund um Halver angebracht.
Foto: Yannick Prümers / privat

Schilder weisen auf Verbot hin

30 Schilder wurden vom Revierförster in den letzten Tagen in den Wäldern rund um Halver aufgestellt. Sie sollen noch einmal auf die Brandgefahr hinweisen und an das Rauch- und Feuerverbot vom 1. März bis 31. Oktober erinnern. „Diese Schilder haben wir an den Hotspots aufgestellt, wo unserer Erfahrung nach die meisten Menschen in den Wald gehen“, sagt Yannik Prümers, der hofft, damit die Sensibilität für das Thema Waldbrandgefahr zu erhöhen.

Kahlflächen als Gefahrenschwerpunkt

Die durch den Borkenkäfer verursachten Kahlflächen in den Wäldern rund um Halver stellen ein weiteres Gefahrenpotenzial dar. „In diesen Kahlflächen haben wir starke Vergrasungen, die unglaublich trocken sind und in denen sich ein Bodenfeuer sich schnell ausbreiten könnte."

Zudem seien die bereits bepflanzten Flächen wurden meist mit Birke und Fichte bestellt worden: „Das sind Bäume, die sehr gut brennen. Außerdem liegen dazwischen auch immer noch Totholz und viele trockene Äste“, sagt  die Waldbrandbeauftragte. „Diese jungen Kulturen haben noch kein Waldklima entwickeln können, daher sind das extrem gefährdete Flächen.“

Zusammenarbeit mit der Feuerwehr

Mit ihrem forstfachlichen Hintergrund wird Miriam Franzke im Brandfall als Waldbrandberaterin auch von der Feuerwehr angefordert. Gemeinsam mit dem Revierleiter eines betroffenen Gebietes können sie, vor allem durch ihre Ortskenntnis, der Feuerwehr wichtige Hinweise dazu geben, wo die gefährdeten Stellen sind und wie die Löschfahrzeuge diese am besten erreichen.

„Die Brandgefahrenstufe wird in den nächsten Tagen wieder ansteigen“, ist sich Franzke sicher. „Es ist kein Regen in Sicht und der immer wieder auffrischende Wind ist auch kontraproduktiv.“

Gute Wegeinfrastruktur in Halver

Positiv sieht sie, dass in Halver viel in die Wegeinfrastruktur investiert worden sei und die Feuerwehr damit gute Chancen habe, nahe an die Brandherde heranzukommen. „In anderen Städten und Gemeinden ist das nicht der Fall“, weiß sie. „Dort kämpft man immer noch mit den Nachwirkungen der Hochwasserflut von 2021. Der Wiederaufbau ist oftmals nicht so weit fortgeschritten wie in Halver.“