Beim Neujahrsempfang der CDU in Herscheid am Sonntag, 25. Januar, sprach die Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach über ihren persönlichen Weg in die Politik und zog eine erste Bilanz der Arbeit der neuen Bundesregierung. Dabei ging sie auf Fragen der sozialen Gerechtigkeit, des Ehrenamts, der wirtschaftlichen Entwicklung und auf aktuelle politische Kontroversen ein.
Fällt der Name Bosbach, steht „WoBo“ sofort vor dem geistigen Auge: Wolfgang Bosbach, prägendes Gesicht der CDU-Bundespolitik über Jahrzehnte, Innenpolitiker, Rechtsanwalt, begnadeter Redner, häufiger Talkshowgast in TV-Formaten wie "Markus Lanz". Indes: Das war gestern. Heute ist Caroline Bosbach, eine seiner drei Töchter, Bundestagsabgeordnete für die CDU im Rheinisch-Bergischen Kreis. Sie habe das als Tochter eines Berufspolitikers eigentlich überhaupt nicht angestrebt und in der männerdominierten rheinischen CDU auch keinen leichten Stand, vertraute sie beim Neujahrsempfang der CDU Herscheid ihrer Zuhörerschaft an.
„Wenn man mit einem Politiker im Haus aufwächst, will man eines auf jeden Fall nicht werden: Politiker“, bekannte sie in Herscheid. Die heute 36-Jährige studierte zunächst Wirtschaftswissenschaften in Berlin; ihr Studium finanzierte sie unter anderem über einen Job in der Gastronomie. 2015, als die Flüchtlingswelle rollte, arbeitete die Bergisch Gladbacherin ehrenamtlich in den Einrichtungen und blickte dabei auch hinter die Kulissen. Sie habe in den drei Jahren ihrer ehrenamtlichen Hilfe rasch erkannt, dass sich Integrationsarbeit "nicht mal eben nebenbei" mache und dass die Hilfe von Ehrenamtlern nicht hoch genug geschätzt werden könne. Diesen Spirit brachte sie nach Herscheid mit: "Im Schnitt leisten Ehrenamtler in Deutschland pro Jahr 317 Stunden — dies unbezahlt, aber auch unbezahlbar", rechnete sie vor.
Die Jahre in den Einrichtungen haben Caroline Bosbach politisiert; sie habe sich schließlich eingebracht und für eine aktive Rolle in der CDU entschieden. Nach verschiedenen Stationen in der Kommunal- und Bundespolitik bewarb sie sich um eine Kandidatur für ein Bundestagsmandat im Rheinisch-Bergischen und setzte sich gegen zwei Parteimänner durch. Das Direktmandat gewann sie mit einem überzeugenden Ergebnis — und ist danach die erste Frau, die Rheinberg in Berlin vertritt.
Beim Neujahrsempfang in Herscheid zog sie eine Bilanz des ersten Regierungsjahres der neuen Bundesregierung. Sie tat das nicht schönfärberisch, sondern durchaus mit der Attitüde, dass "manches hätte besser von der Hand gehen können". Dabei warb sie dafür, den gerne gebrauchten deutschen Pessimismus abzulegen: „Wir müssen Lust auf Zukunft ausstrahlen“, sagte Bosbach. Auf der Habenseite der Regierung verbuchte sie sinkende Energiepreise, die wieder eingeführte Wehrpflicht und die Reformierung der Unternehmenssteuer.
In die aktuelle Debatte um soziale Gerechtigkeit und die Anforderungen des Erwerbslebens schaltete sich Bosbach pointiert mit einer „Absage an die Vollkasko-Mentalität“ ein: Soziale Gerechtigkeit müsse nicht nur den Empfängern von Transferleistungen widerfahren, sondern müsse auch „denen gegenüber gelten, die die Transferleistungen erst möglich machen“.
Respekt forderte sie gegenüber Bundeskanzler Friedrich Merz ein — dieser falle einerseits dadurch auf, dass er zuhöre, nicht autokratisch durchregiere ("Ich bin froh, dass er kein Trump ist, der nicht nach rechts und links schaut“), andererseits stehe es Merz auch zu, mal kantig, prägnant zu formulieren, was dann Kritik nach sich ziehe.
Im täglichen Berlin erlebe sie, dass es in der Koalition „weltanschauliche Grundunterschiede“ zwischen CDU und SPD gebe. Heftige Kritik übte Caroline Bosbach am Erbschaftssteuerkonzept der SPD, das ein „Anschlag auf Betriebe und Arbeitsplätze“ darstelle. „Was bitte soll daran sozial gerecht sein?“, fragte sie in die Zuhörerschaft.
Generell rief sie dazu auf, Probleme nicht zu tabuisieren, sondern anzusprechen. Auch die Wirtschaftslage dürfe nicht schöngeredet werden und doch „sollten wir öfter über Erreichtes, Geschafftes sprechen“. Defätismus ist die Sache der Caroline Bosbach nicht, dies wurde deutlich und vom Auditorium mit anhaltendem Applaus bedacht.











