Fernab von Zuhause, Unterricht in einer fremden Sprache, andere Essgewohnheiten – und das Leben in einer Familie, die man vorher nicht kannte: Beim Schüleraustausch zwischen Saint-Quentin und Lüdenscheid tauchten Jugendliche tief in den Alltag des jeweils anderen Landes ein. Im Gespräch mit LokalDirekt berichten sie von überraschenden Unterschieden – und Freundschaften, die über Grenzen hinweg entstanden sind.
Eine Woche im Ausland, neue Menschen, eine andere Sprache – und das alles hunderte Kilometer entfernt von der gewohnten Umgebung: Für Schülerinnen und Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) und des Zeppelin-Gymnasiums (ZGL) wurde genau das kürzlich zur Realität. Im Rahmen des Frankreich-Austauschs reisten sie in die nordfranzösische Stadt Saint-Quentin – und empfingen im Anschluss ihre Austauschpartner in Lüdenscheid.
Offenheit und Neugier in Frankreich
Nach sieben Tagen in Frankreich sind den Lüdenscheider Schülerinnen und Schüler besonders die Begegnungen mit den Menschen vor Ort positiv in Erinnerung geblieben.
„Die Menschen in Saint-Quentin sind sehr nett, zuvorkommend und höflich. Das ist mir eigentlich direkt aufgefallen“, berichtet Fernan. „Sie sind auf jeden Fall viel offener, was den Austausch und unsere Kultur angeht“ ergänzt Andra. „Teilweise haben sie sogar versucht, Deutsch mit uns zu sprechen.“
Längere Schultage, andere Abläufe
Deutliche Unterschiede stellten die Jugendlichen vor allem im Schulalltag fest: „Die Franzosen haben länger Schule, teilweise bis 17 oder 18 Uhr“, erzählt Andra. Auch die Struktur unterscheidet sich: „Die Schulstunden dauern dort 55 Minuten statt 45, und der Unterricht ist deutlich mündlicher geprägt.“
Zudem sei der Schulalltag weniger digitalisiert: „Die Franzosen arbeiten noch analog, also ohne iPads“, so Andra weiter. Außerdem gebe es an der Schule in Saint-Quentin statt 13 nur zwölf Klassenstufen, also G8. "Die Schule ist auch räumlich ganz anders aufgeteilt“, ergänzt Fernan. „Und das Zuspätkommen wird nicht so streng gehandhabt wie bei uns.“
Positiv empfanden die Schüler auch die längere Mittagspause auf: „Sie dauert zwischen ein bis zwei Stunden - und es gibt eine richtige Kantine mit warmem Essen. Das war schon cool“, erinnert sich Mustafa.
Kultur, Essen und Architektur im Vergleich
Doch nicht nur der Schulalltag, besonders das Leben und Miteinander in den Gastfamilien sei für die Schülerinnen und Schüler eine besondere Erfahrung gewesen. „Erstmal kommt man mit einem mulmigen Gefühl dort an, weil man ja noch nicht weiß, wie man sich mit der Gastfamilie versteht“, berichten die Lüdenscheider Gymnasiasten. Diese Aufregung habe sich aber spätestens beim ersten gemeinsamen Essen gelegt.
Für Mustafa sei vor allem das gemeinsame Abendessen prägend gewesen: „In meiner Gastfamilie wurde viel Wert darauf gelegt. Wir haben nicht nur zusammen gegessen, sondern danach oft noch lange zusammengesessen und geredet. Dadurch hat man sich noch einmal besser und intensiver kennengelernt, was den gesamten Aufenthalt viel persönlicher und familiärer gemacht hat.“
Julius erzählt, ihn habe außerdem die Architektur beeindruckt: „Die Gebäude wirken irgendwie ‚kultureller‘, nicht so modern wie bei uns.“ Andra ergänzt: „Auch das Rathaus ist dort ganz anders. Es hatte, wie Julius erwähnte, nicht diesen modernen Stil wie bei uns. Man hatte insgesamt das Gefühl, dass hinter den Gebäuden noch wirklich Geschichte steckt.“
Gegenbesuch in Lüdenscheid
Nach dem Aufenthalt in Frankreich begann für die Austauschschüler der zweite Teil des Programms: Gemeinsam mit ihren französischen Partnern kehrten sie nach Lüdenscheid zurück. Dort erwartete die Gäste ein vielseitiges Programm, das ihnen die Region und den deutschen Alltag näher bringen sollte.
Bereits beim offiziellen Empfang im Rathaus am Freitag, 20. März, konnten die französischen Schülerinnen und Schüler erste Eindrücke schildern. „Ich denke, Frankreich und Deutschland haben eine ähnliche Kultur und eine gemeinsame Geschichte“, sagt Dylan. Unterschiede sieht er dennoch: „Die Schultage sind hier kürzer und die Architektur ist teilweise moderner.“ Gleichzeitig entdeckt er auch Vertrautes: „Es gibt auch viele ältere Gebäude – die Altstadt gefällt mir besonders gut, sie wirkt wie ein kleiner Kreis.“
Freundschaften über Grenzen hinweg
Dass der Austausch weit über schulische Erfahrungen hinausgeht, zeigt sich vor allem in den persönlichen Beziehungen. Viele Teilnehmende berichten von neuen Freundschaften – einige möchten im nächsten Jahr sogar erneut teilnehmen.
„Der Austausch ist für mich wunderbar“, sagt die französische Schülerin Valentine lachend. Auch Tom blickt bereits nach vorn: „Mein Austauschpartner Fernan und ich verstehen uns sehr gut. Wir möchten nächstes Jahr zum dritten Mal teilnehmen.“
Ähnlich sehen es Andra und ihre Austauschpartnerin Anaëlle. „Es ist total interessant, eine neue Kultur zu entdecken und neue Freundschaften zu knüpfen“, so die Schülerin.
Ein Austausch, der verbindet
Die Erzählungen der Schülerinnen und Schüler aus Lüdenscheid und Saint-Quentin zeigen: Neben Einblicken in ein anderes Bildungssystem und kulturelle Unterschiede entstehen durch den Austausch vor allem persönliche Erinnerungen – und Freundschaften, die oft über die Dauer des von „Erasmus+“ unterstützten Programms hinaus bestehen bleiben.











