Ende April kamen in Iserlohn Vertreter von Arbeitgeberorganisationen, Kammern, Verwaltung und weiteren Arbeitsmarktakteuren zu einem Spitzentreffen der Agentur für Arbeit zusammen. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Märkischen Kreis – und die wachsende Sorge um eine deutliche Verschiebung bei Angebot und Nachfrage.
Erstmals gibt es im Märkischen Kreis weniger gemeldete Ausbildungsstellen als Bewerber. Nach Angaben der Agentur für Arbeit wurden bislang 1858 Bewerber registriert – ein Anstieg um 11,4 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen auf 1799 und damit um 15,5 Prozent. Damit hat sich ein Verhältnis umgekehrt, das die Region über Jahre geprägt hatte: Traditionell war das Angebot an Ausbildungsplätzen größer als die Zahl der Interessenten.
Hinzu kommen deutliche Schwierigkeiten, passende Bewerber und Stellen zusammenzubringen. Viele Jugendliche orientieren sich weiterhin an wenigen bekannten Berufen wie Industriekaufmann, Kfz-Mechatroniker oder Kaufmann für Büromanagement. Gleichzeitig bleiben zahlreiche Stellen im Einzelhandel, im Verkauf sowie in gewerblich-technischen Berufen unbesetzt. Gerade in der industriell geprägten Region sei der Bedarf an Fachkräften weiterhin hoch. Partner des Treffens berichteten von einem spürbaren Rückgang bereits abgeschlossener Ausbildungsverträge, insbesondere im technischen Bereich. Zudem seien viele Berufsbilder Jugendlichen kaum bekannt.
Im gemeinsamen Austausch benannten die Beteiligten mehrere Ursachen für die Entwicklung. Nach Einschätzung der Arbeitsmarktakteure falle es vielen jungen Menschen zunehmend schwer, sich frühzeitig beruflich festzulegen. Gleichzeitig hätten sich manche Betriebe aufgrund negativer Erfahrungen oder des hohen organisatorischen Aufwands aus der Ausbildung zurückgezogen. Dadurch wachse der Bedarf an intensiver Berufsorientierung und engerer Begleitung.
Sebastian Unkhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Iserlohn, appellierte gemeinsam mit den Partnern an Unternehmen, weiterhin in Ausbildung zu investieren. Angesichts des steigenden Fachkräftebedarfs könne es sich die Region nicht leisten, dass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, während junge Menschen ohne berufliche Perspektive seien. Ausbildung bleibe ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Märkischen Kreises.
Einigkeit bestand darüber, dass klassische Formate wie Ausbildungsbörsen allein nicht mehr ausreichen. Künftig sollen Praktika stärker in den Mittelpunkt rücken, um Jugendlichen und Betrieben frühzeitig Einblicke zu ermöglichen und gegenseitige Erwartungen besser einschätzen zu können. Besonders im Handwerk sehen die Beteiligten hier Potenzial. Gleichzeitig solle der Stellenwert der dualen Ausbildung wieder stärker hervorgehoben werden – auch im Vergleich zu akademischen Bildungswegen. Schulen und Arbeitsmarktakteure stünden dabei gemeinsam in der Verantwortung.
Zum Abschluss verständigten sich die Teilnehmer auf mehrere konkrete Ansatzpunkte. Unternehmen sollen ihre Ausbildungsstellen konsequent bei der Agentur für Arbeit melden, um eine bessere Vermittlung zu ermöglichen. Zudem riefen die Teilnehmer dazu auf, mehr Praktikumsplätze anzubieten und diese über die regionale Plattform „Job-Navi MK“ sichtbar zu machen. Auch Jugendliche mit Unterstützungsbedarf sollen Unternehmen und Arbeitsmarktakteure künftig stärker berücksichtigen – etwa durch Praktika, Einstiegsqualifizierungen oder Angebote im Rahmen der Initiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“.
Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten bleibt, mehr junge Menschen in Ausbildung zu bringen und gleichzeitig die Fachkräftebasis der Region langfristig zu sichern. Nach Einschätzung der Partner kann dies nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Akteure gelingen.









