Schon auf dem Schulgelände machte sich die Börse bemerkbar: „Starte deine Ausbildung jetzt“ hieß es vor dem Pädagogischen Zentrum (PZ) für die Ausbildung zum Zimmerer oder Dachdecker. Die Standbetreiber drinnen wie draußen äußerten gegenüber LokalDirekt häufig eine Beobachtung bei den jungen Besuchern: Sie stünden zwischen Interesse und Orientierungslosigkeit in ihrem beruflichen Werdegang.
Am Vormittag tummelten sich die Neuntklässler der Volme-Kommunen durch die Hallen der Gesamtschule. Da es in Herscheid keine weiterführende Schule gibt, waren zwar keine Herscheider Schüler unter ihnen, aber die Kommune war auf der Messe vertreten.
Börse der Volme-Kommunen: mehr Aussteller in Kierspe
„Eigentlich wären wir schon 2020 mit der Ausrichtung der Börse an der Reihe gewesen, aber aufgrund der Pandemie mussten wir den Termin verschieben“, verriet Katalin Kleinhofer im Gespräch mit LokalDirekt. „2019 war Schalksmühle dran und nächstes Jahr Halver“, ergänzte Ute Kemper, Ausbildungsleiterin der Stadt. Besonders freuten sich die städtischen Mitarbeiterinnen darüber, dass zahlreiche heimische Unternehmen, die eingeladen worden sind, mit einem Stand auf der Messe vertreten waren.
„Meistens waren es nur 40 bis 50 Aussteller, die sich den Schülern präsentiert haben“, so Kemper. Unter den 61 Ausstellern in Kierspe seien auch wieder überregionale Standbetreiber gewesen, wie die Polizei, die Bundeswehr und Berufskollegs.

„Für die Schüler war es ein Pflichtprogramm, dennoch sind die Standbetreiber auf Interesse gestoßen“, so Kemper. „Es geht bei unserer gemeinsamen Ausbildungsbörse immer um ein lockeres Kennenlernen, nicht um Vertragsabschlüsse.“
Die Stadt Kierspe und ihre Nachbarkommunen hätten laut Kemper und Katalin selbst noch Ausbildungsverträge in den Schubladen. „Wir bilden zum Verwaltungsfachangestellten aus und bieten ein duales Studium an. Des weiteren suchen Kierspe, Meinerzhagen und Herscheid Fachangestellte für Bäderbetriebe. Halver und Schalksmühle bieten Stellen im tariflichen Beamtenbereich an.“
„Bunte Mischung“: zwischen Traumjob und offenen Stellen
Einen Überblick über offene Stellen auf dem Ausbildungsmarkt und die Wünsche der Jugendlichen hatte Andreas Giebel, Vertreter der Arbeitsagentur für den südlichen Märkischen Kreis auf der Ausbildungsbörse. Die Messe sei ein Spiegel für den gesamten Arbeitsmarkt mit seinen freien Stellen. Die Arbeitsagentur sei selbst Arbeitgeber und suche nach Kandidaten, so Giebel.
„Ich erlebe hier eine bunte Mischung“, befand Giebel gegenüber LokalDirekt. „Viele Stellen sind vakant, aber nicht alle sind Traumberufe“, fasste er zusammen. „Bei den Männern geht der Trend Richtung kfz-Mechatroniker, bei den Frauen Richtung Kosmetikerin.“ Gesucht würde hingegen im Handwerk: Dachdecker oder Anlagenmechaniker. „Da will die Jugend aber nicht hin“, kommentierte Giebel die Schere zwischen Fachkräftemangel und Traumjobs. „Eher möchten sie ihren Abschluss verbessern, um sich mehr Optionen zu ermöglichen.“ Giebel betonte, dass die Arbeitsagentur den Jugendlichen neutral und beratend zur Seite steht, um Denkanstöße zu liefern, nicht, um zu beeinflussen. „Natürlich zeigen wir aber die Vorteile einer klassischen Ausbildung in Beratungsgesprächen auf.“
Neben den Trends unter den Jugendlichen benannte Giebel auch die Herausforderungen in der Region für den Ausbildungsmarkt, Stichwort „Verkehrsanbindung“: „Nicht nur die A45 stellt eine Problematik dar, sondern auch die Bahnverbindung nach Köln, die bald für ein halbes Jahr gekappt sein wird. Sie ist wichtig für die Berufsschüler.“
Regionale „Erfa-Gruppe“ tauscht Erfahrungen aus
Marcus Kretschmer vom Berufskolleg für Technik des Märkischen Kreises in Lüdenscheid (BKT) versuchte auf der Ausbildungsbörse zunächst in Gesprächen die Interessen der Standbesucher herauszufiltern. „Was schlummert in dir?“, wollte er von den Schülern wissen. „Ich glaube, zu Hause wird zu wenig über Vorstellungen und Träume gesprochen“, so Kretschmer. „Viele junge Leute haben keine Idee davon, was sie werden möchten. Ich verspreche ihnen: Deine Region bietet viel. Es gibt Möglichkeiten im Gesundheits-Sozialen Sektor oder im Gewerblich-Technischen Bereich.“
Um seinen Besuchern einen Stups in die richtige Richtung geben zu können, hatte er einen Schaltkreislauf an seinem Stand aufgestellt, um eine potentielle Begeisterung für Technik zu erkennen. Hinter ihm flimmern internationale Beispiele von Lichttechnik hiesiger Unternehmen über Bildschirmen. „Über den einen oder anderen Impuls können wir ins Gespräch kommen“, so Kretschmer.
Und wenn sich eine Tendenz abzeichnete, konnte er die Schüler beispielsweise zu einem der weiteren acht Unternehmensstände verweisen, mit denen sich das BKT zu einer „Erfa“-Gruppe (Erfahrungsaustauschgruppe) zusammen geschlossen hat. Zu ihr gehört auch das Unternehmen „Busch und Jäger“ aus Lüdenscheid, vertreten durch Timo Brix auf der Ausbildungsbörse. „Wir spüren ein starkes Interesse am Thema Nachhaltigkeit bei den Jugendlichen“, so Brix. „Viele interessieren sich für unseren Solarpark. Und wenn ernsthaftes Interesse besteht, können sich die Jugendlichen für die Kontakterfassung über ein digitales Tool eine Visitenkarte erstellen lassen. Digitaler Fortschritt und smarte Lösungen sind die Zukunft.“

Systemrelevant ist außerdem der Pflegeberuf. Der Meinerzhagener ambulante Pflegedienst und die Tagespflege Herbstsonne in Meinerzhagen, Kierspe und Umgebung präsentierten sich mit Infomaterial rund um den menschlichen Körper und mit Angeboten zum Ausprobieren.

Hier ließ sich an Schwämmchen üben, wie Blutzucker gemessen wird. Eine wichtige Fähigkeit für die Pflegefachmänner und Assistenten, die dringend gesucht werden. Aber das wichtigste für die dreijährige Ausbildung sei, ein Herz für den Pflegeberuf zu haben, so die Standvertreter.
Fotogalerie:



Regionale „Erfa“-Gruppe
Otto Fuchs – Meinerzhagen
Technotrans – Meinerzhagen
Turk – Halver
BKT – Lüdenscheid
Busch-Jaeger – Lüdenscheid
Ergo – Lüdenscheid
Kostal – Lüdenscheid
Phönix – Lüdenscheid
Stauff – Werdohl