26 Bahnstationen von Köln-Deutz bis Lüdenscheid: Dann war Alexander Hakelüken endlich am Ziel. Am Montag las der Wirtschaftsjournalist auf Einladung der Integrationsagentur des Diakonisches Werkes, des Lüdenscheider „Bündnis für Demokratie“ und der VHS Lüdenscheid im Begegnungscafé „Navi“ aus seinem Buch „Die Ökonomie des Hasses“.

  

 Rechte Politik macht die Menschheit ärmer, so lautet die These des Autors, der als leitender Redakteur in der Wirtschaftsredaktion der „Süddeutsche Zeitung“ arbeitet. Souverän analysierte er an diesem Abend, wie rechte Politik und wirtschaftliche Entwicklungen zusammenwirken und sich gegenseitig verstärken. Gelassen blieb er, als ein Mann in die Lesung platzte, der eine Toilette aufsuchen wollte. Als der Überraschungsgast dann auch noch eine medizinische Auskunft erbat, winkte Alexander Hagelüken ab. Dazu fehle ihm die Qualifikation.

Gefühl permanenter Krise

Dann war der Mann auch wieder verschwunden und der Autor schmunzelte: „Allerdings besitze ich ein Diplom.“ Gelächter. Dann ging’s weiter.

"Viele Menschen leiden unter einem Gefühl permanenter Krise, das jedoch weniger durch die Regierung selbst als durch äußere Ereignisse wie Pandemie und Ukraine-Krieg oder aktuell den Krieg im Iran ausgelöst worden sein", sagt Alexander Hagelüken. Rechte Parteien profitierten davon, indem sie wirtschaftliche Probleme zuspitzten, Inflation übertrieben und Desinformation verbreiteten.“ Für die AfD ist jedes Ärgernis gleich ein Staatsversagen“, stellte der Autor fest. „Die AfD ist einfach nur eine Dagegen-Partei“, pflichtete ihm eine Zuhörerin bei. „Lösungen hat sie nicht zu bieten.“

In seinem Buch stellt Alexander Hagelüken fest, die westlichen Demokratien seien in den vergangenen Jahrzehnten ungleicher geworden. Wohlhabende zahlten kaum Steuern („Deutschland ist ein Niedrigststeuerland für Reiche.“), gleichzeitig kürzten Staaten Leistungen. Kämen Rechtsextreme an die Macht, werde nichts besser. Im Gegenteil: Die Zölle, die US-Präsident Donald Trump in seinem ersten Amtsjahr verhängte, belasteten US-Haushalte im Schnitt mit 2400 Dollar, führte Alexander Hagelüken als Beispiel an. Die Politik der Rechten mache die Reichen reicher, resümierte er. Würden die Vorschläge der AfD umgesetzt, profitierten vor allem Topverdiener, während das Armutsrisiko um 13 Prozent steige.

Positive Fakten schaffen und emotional aufladen

„Dinge, die nicht funktionieren, treiben die Menschen zu den Rechten“, erklärte Bürgermeister Sebastian Wagemeyer, der sich nach der Hauptausschusssitzung Zeit genommen hatte, die Lesung zu besuchen. Daran müsse die Politik arbeiten. „Wir müssen positive Fakten schaffen und wir müssen sie emotional aufladen“, forderte Sebastian Wagemeyer. Dabei seien die demokratischen Parteien der Mitte einfach zu zurückhaltend.

Damit deutete er an, was auch Alexander Hagelüken als Gegenstrategie vorschlägt. Ihm schwebt eine neue Wirtschaftspolitik vor, die Marktwirtschaft mit sozialer Sicherheit und Empathie verbindet. Entscheidend sei, den Menschen mehr Sicherheit zu geben, staatliche Leistungen zu verbessern und das Vertrauen in Demokratie und Staat zu stärken.

Gemeinschaftsgefühl stärken

Dazu gehöre auch bessere Kommunikation politischer Maßnahmen, mehr Einfühlungsvermögen in die Lebensrealität der Bürger sowie die Förderung von Gemeinschaftsgefühl. Er plädierte dafür, reale soziale und wirtschaftliche Probleme – etwa Ungleichheit, Wohnkosten, Altersarmut und fehlendem Klimaschutz – aktiv anzugehen. Eine erfolgreiche Bewältigung dieser Herausforderungen könne nicht nur die Lebensbedingungen verbessern, sondern auch den Aufstieg rechter Bewegungen bremsen.