Halver hat einen neuen Revierförster. Nach über 35 Jahren Tätigkeit in und um Halvers Wälder hat Ulrich Ackfeld zum 1. Juni das Zepter an Yannick Prümers weitergegeben. Der neue Leiter des Forstbetriebs ist nunmehr dafür verantwortlich, dass Halver weiter die Stadt im Grünen bleibt.
Rückblick
Auf die Frage, worauf er nach 35 Jahren bei seiner Tätigkeit als Revierförster am liebsten zurückblickt, braucht Ulrich Ackfeld nicht lange nachzudenken: "Dass es mir gelungen ist, die Gemeinschaft der Waldbesitzer entwickelt zu haben, das macht mich stolz", sagt er. "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das wir hier in Halver haben, das aber natürlich noch weiter ausbaubar ist. Wichtig ist, auch für meinen Nachfolger, diese Struktur in der nächsten Generation zu erhalten."
Orkan Kyrill und der Borkenkäfer waren die beiden einschneidendsten Ereignisse, die er in seiner Zeit als Revierförster erlebt habe. "Dabei war der Borkenkäfer das schlimmere Ereignis", erinnert er sich. "Bei Kyrill war der Schaden auf einen Schlag da. Wir haben die Bereiche, die betroffen waren, besichtigt, Überlegungen angestellt, wie dort am schnellsten und besten wieder aufgeforstet werden konnte und die Pläne in die Tat umgesetzt." Die Schäden seien damals so schnell wie möglich behoben worden und der sei Sturm für viele Menschen auch schnell wieder in Vergessenheit geraten.
Borkenkäfer als große Herausforderung
Anders beim Borkenkäfer: "Die Plage zog sich über drei Jahre und die riesigen abgeholzten Waldflächen, die zum Schluss das Bild bestimmten, trieben jedem, der den Wald liebt, Tränen in die Augen", sagt er und verdeutlicht den Schaden, mit einigen Zahlen: "Wir haben innerhalb von drei Jahren 450.000 Festmeter geerntet. Das ist das Zehnfache der normalen Menge." Für Ackfeld, der immer "kahlschlagslos" arbeiten wollte, war der durch den Borkenkäfer verursachte Schaden ein richtiger Schock, wie er im Gespräch mit LokalDirekt sagt.
Hier habe sich gezeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit des Försters mit den weiteren Beteiligten ist: "Ich habe sofort jedem Waldbesitzer das Konzept der Mischbepflanzung und die Möglichkeit von Fördermitteln vorgestellt. Fast alle waren mit den Maßnahmen einverstanden und so waren wir früh dran, die staatlichen Mittel abzurufen und geeignete Pflanzen zu bestellen. Wir haben Großabnehmer für das Holz organisiert, sodass die Harvester ununterbrochen arbeiten konnten, bis alle befallen Bäume aus dem Wald waren."
Yannick Prümers unterstützt seit Beginn der Aufforstungsarbeiten
Genau zu diesem Zeitpunkt hat Yannick Prümers nach seinem Studium der Forstwirtschaft und seiner Assistenzzeit beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW im Forstamt Märkisches Sauerland als Revierassistent in Halver seinen neuen Aufgabenbereich gefunden. Von Oktober 2024 bis Oktober 2025 arbeitete er Ulrich Ackfeld als Forstinspektor-Anwärter zu, bevor er von Oktober 2025 bis Juni 2026 als Revierassistent mit Försterqualifikation auf die Nachfolge von Ackfeld hinarbeitete. Anfang Juni dieses Jahres tauschten sie die Rollen, und Ackfeld, der eigentlich zu diesem Zeitpunkt bereits in den Ruhestand gehen wollte, blieb dem Landesbetrieb und damit dem Halveraner Wald noch für weitere sechs Monate als Revierassistent treu. Gemeinsam bearbeiten sie nun das 2100 Hektar große Revier.
Prümers, der gebürtig aus dem Münsterland stammt, kam durch Zufall nach Halver. "Mittlerweile schlägt aber mein Herz für die Stadt und ich kann mir vorstellen, hier alt zu werden", sagt er, wobei er besonders die gute Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern als Grund für seine Zufriedenheit hervorhebt.
Weg von der Monokultur, hin zum Mischwald
Auf den gemeinsam mit Ulrich Ackfeld durchgeführten Neuaufbau der Wälder nach dem Borkenkäferbefall ist er besonders stolz: "Keiner pflanzt so viel wie wir", betont er und rechnet vor, dass pro Kalenderjahr 200.000 bis 250.000 neue Bäume gepflanzt wurden. "Wir haben uns vorgenommen, ein Drittel der betroffenen Flächen neu zu bepflanzen. Das entspricht rund 400 Hektar", ergänzt Ackfeld. Dabei würden anfangs vier verschiedene Baumarten gesetzt.
Wenn dieses Ziel erreicht ist, wird der Schwerpunkt der Arbeit des Förster-Duos nicht mehr auf der Wiederaufforstung liegen. Nach und nach sollen die Bereiche, die sich die Natur bereits zurückerobert hat, in einen bewirtschaftbaren Wald umgewandelt werden, der aber nicht mehr, wie in der Vergangenheit, aus einer Monobepflanzung bestehen wird.
Gleitender Übergang als perfekte Lösung
Ackfelds kompletter Einstieg in den Ruhestand wird nahezu zeitgleich mit der Beendigung der Mammutaufgabe, die der Borkenkäfer geschaffen hat, erfolgen. "Eigentlich bin ich ja schon seit Juni Pensionär", lacht der fast 67-Jährige. Die Übergabe seines Aufgabengebietes an Yannick Prümers sieht er als perfekte Lösung an: "So konnte ich mein Know-How weitergeben." Er sei zudem nie ein Freund der Frühverrentung gewesen: "Was soll man nach der Berufstätigkeit auch mit der vielen Freizeit anfangen?", fragt er sich amüsiert.
Bei ihm selbst sei die Übernahme von seinem Vorgänger vor 35 Jahren nicht so gleitend erfolgt. "Das war eher ein Sprung ins kalte Wasser. Es gab eine Woche Übergangszeit, ich bekam einen Stapel Karteikarten, auf denen Informationen über jeden Waldbesitzer notiert waren — das wars", erinnert er sich.
Für ihn sei es wichtig gewesen, jemanden zu finden, der seine Handschrift weiterführt. "Man zieht ja nicht weg. Ich sehe den Wald ja jeden Tag", sagt er. "Da tut es gut zu sehen, wenn es so weitergeht, wie man sich das vorgestellt hat." Diesen Nachfolger hat er mit Yannick Prümers gefunden.
Viele Aufgaben für den neuen Förster - alte Ideen warten auf Umsetzung
Eine Übernahme, über die sich auch Forstamtsleiterin Julia Böning freut, die für insgesamt 17 Forstreviere zuständig ist. Sie zählt die umfangreichen Aufgaben auf, die auf den jungen Forstbetriebsleiter warten: "Neben dem Kerngeschäft der Waldpflege und der Holzernte müssen auch die neu anzulegenden Kulturen geplant werden. Eine Arbeit, die ein Förster heute am PC macht. Das Bild des Försters hat sich gewandelt. Generell findet heute ein Großteil seiner Arbeit am Schreibtisch statt", erklärt sie. Dazu gehöre auch, die Waldbesitzer über die bestmöglichen Förderprogramme zu informieren, diese dann zu beantragen und die Umsetzung zu begleiten.
Um diesen umfangreichen Aufgaben gerecht zu werden, will sich Yannick Prümers noch ein Jahr Zeit geben. Dann könne er sich aber auch vorstellen, die Jugendspiele, die es vor Jahren in Halver gab, wieder durchzuführen. Diese betrafen die dritten und vierten Grundschulklassen, die einen Parcours mit dem Themenschwerpunkt Wald bewältigen mussten. "Das würde ich gerne wieder aufleben lassen", hat er sich vorgenommen. "Aber es muss auch ins Arbeitspensum passen", weiß er.
Als ab sofort in Verantwortung stehender Revierleiter müsse er erst einmal die Kernaufgaben beherrschen: "Dann kann überlegt werden, wo man ein neues Feld aufbauen kann", unterstützt Julia Böning seine Planungen.







