Zu Gast waren Katharina Loos und Tabitha Eugling vom Weimarer Kulturexpress, die als Schauspielerinnen die Geschichte auf die Bühne brachten. So schlüpfte Katharina in die Rolle von Anne und Tabitha in die von Frieda. Die beiden Schauspielerinnen sind Musicaldarstellerinnen aus Hamburg, die schon bei Stücken wie „Sister Act“ oder die „Schatzinsel“ mitwirkten. Nun sind sie deutschlandweit unterwegs und bringen die Stücke des Kulturexpresses auf die Bühne.
Am Montagmorgen durften sich zuerst die Siebt- und Achtklässler das Stück anschauen. Im Anschluss war dann die neunte und zehnte Jahrgangsstufe an der Reihe, die über das Thema Drogen und deren Auswirkungen aufgeklärt worden sind.
Gefördert wurde das Theaterstück an der Schule vom Märkischen Kreis, von der städtischen Schulsozialarbeit und vom Förderverein der Humboldtschule.
Drogen – von Gras zu Crystal. Darum ging’s:
Anne und Frieda kennen sich schon von klein auf. Zusammen spielten sie bereits im Sandkasten und waren unzertrennlich. Als beide älter wurden, änderten sich jedoch die Interessen. Frieda begann zu rauchen und Drogen zu nehmen. Anne war geschockt, dass ihre beste Freundin so etwas konsumiert.
Frieda versuchte ihre Taten zu rechtfertigen. „Alkohol ist doch viel schlimmer als Gras“, erklärte sie. Dazu zählte sie die Vorteile der Droge auf – “Entspannung, Gelassenheit und Fröhlichkeit“. Anne wollte sich von Friedas Worten überzeugen lassen und probierte das Gras von ihrer Freundin auch aus.
Ihr gefiel es und sie genoss die Wirkung des Cannabis. Gemeinsam probierten sie auch mal eine “Bong“ aus. Dabei blieb es aber – zumindest für Anne. Doch in welcher starken Sucht sich Frieda befand, war Anne vorerst nicht bewusst. Neben Cannabis und Alkohol probierte die Protagonistin Frieda auch noch viele weitere harte Drogen aus. Hängen blieb sie an Crystal Meth.
Frieda traute sich nicht, ihren Mitmenschen zu erzählen, in welcher Lage sie steckte. Die Hintergründe waren Anne zunächst auch unklar. Frieda spürte einen enormen Druck von zu Hause – sie sollte doch studieren gehen und professionelle Leichtathletin werden. Die Träume von ihr waren jedoch andere: Sie wolle unbedingt Tischlerin werden. „Das ist nur ein Job für Jungs. Das ist nichts für dich“, hörte sie täglich von der eigenen Mutter.
Der Druck von zu Hause und die starke Suchtkrankheit von Frieda sorgte letztendlich dafür, dass sie im jungen Alter verstarb.
„Statistisch gesehen, trifft es eine Person von euch“
Dass das Thema nicht nur in einem fiktiven Theaterstück eine Rolle spielt, stellten die beiden Hamburgerinnen in der Diskussionsrunde am Ende der Veranstaltung klar, denn das Stück soll die Realität widerspiegeln. „Vielleicht heißen die Personen in echt nicht Frieda und Anne, aber dennoch gibt es sehr viele Fälle, in denen Menschen in einer solchen Situation stecken“, erklärt Tabitha Eugling. Dabei blickt sie insbesondere auf eine Aufführung zurück, bei der ihr eine Schülerin im Anschluss im Gespräch erzählte, dass ihr 16-jähriger bester Freund durch seine Drogensucht starb.
Wie es zu einer solchen Sucht kommen kann, zählten die Schauspielerinnen gemeinsam mit den Schülern im Gespräch auf. So nannten sie Dinge wie Leistungsdruck, häusliche Gewalt, ein falscher Freundeskreis oder psychische Erkrankungen.
Katharina Loos und Tabitha Eugling appellierten an die Humboldtschüler, dass sich professionelle Hilfe gesucht werden sollte, wenn es einem so ergeht wie Frieda im Theaterstück. Das geht bei der Suchthilfe, bei Beratungsstellen und Therapeuten sowie Vertrauenslehrer an den jeweiligen Schulen. „Es braucht Mut und Überwindung“, wissen auch die beiden Schauspielerinnen.
- Anonyme Drogenberatung im Märkischen Kreis: Tel. 02371 / 29777
- Caritas in Iserlohn: Tel. 02371 / 81860
- Diakonischen Werkes in Lüdenscheid und in Plettenberg: Tel. 02391 / 95400
- Ökumenische Suchtberatung in Menden: Tel. 02373 / 2688
- Beratungsstelle in Halver, Schalksmühle, Kierspe und Meinerzhagen: Tel. 02354 / 5833
„Es ist auch völlig in Ordnung, den Notruf oder die Polizei zu rufen, wenn man nicht weiter weiß. Es ist nicht eure Aufgabe, einzuschätzen, ob ihr in einer Notsituation seid oder nicht“, erklärt Loos den Schülern im Gespräch.
Viele Schüler schauten das Theaterstück mit Begeisterung und Interesse an – andere wiederum hielten es für eine bessere Option, die Doppelstunde mit Gesprächen und Witzen zu verbringen. Auf die Schauspielerinnen des Weimarer Kulturexpresses machte das keinen guten Eindruck, weshalb sie dies auch im Anschluss ansprachen: „Es ist wirklich super respektlos, dass einige das Stück mit Gesprächen konsequent störten oder Witze über den Tod machten. Es ist zwar nur Theater und übertrieben dargestellt, aber es ist die Realität, die wir euch gezeigt haben.“