Der Industriestandort Deutschland hat weiter massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Die Ergebnisse der aktuellen Unternehmensumfrage des Arbeitgeberverbandes (AGV) Lüdenscheid sind erneut ein deutlicher Warnhinweis.

„Wenn 100 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen in der Umfrage die Attraktivität des Standorts schlechter bewerten als vor zehn Jahren, dann muss wirklich allen klar sein, was die Stunde geschlagen hat,“ so AGV-Geschäftsführer Christian Lepping.

Umso wichtiger sei es, die notwendigen Reformen weiter voranzutreiben. „Priorität muss haben, was Wachstum schafft“, betont der AGV-Geschäftsführer.

In einer Mitteilung erläutert der AGV die Ergebnisse der aktuellen Umfrage. Aus dem südlichen Märkischen Kreis haben sich 35 Unternehmen an einer bundesweiten Umfrage der Metall- und Elektro-Industrie beteiligt:

Nur neun Prozent rechnen mit Besserung der Lage

Nur neun Prozent der Unternehmen bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut, 23 Prozent als neutral, 69 Prozent als schlecht.

Für das laufende Jahr rechnen neun Prozent rechnen mit einer Besserung, 54 Prozent mit einer gleichbleibenden Lage, 37 Prozent mit einer Verschlechterung.

Für 74 Prozent ist derzeit eine wirtschaftliche Normalisierung nicht absehbar, neun Prozent rechnen damit im ersten Halbjahr 2027 und 14 Prozent erst im 2. Halbjahr 2027 oder später.

Externe Krisen verschärfen die Lage deutlich

Auswirkungen des Irankrieges: 89 Prozent der Unternehmen berichten von negativen Auswirkungen: 81 Prozent berichten von gestiegenen Rohstoff- und Materialkosten, 71 Prozent von höheren Transport- und Frachtkosten, 61 Prozent von gestiegenen Energiekosten, jeweils 39 Prozent von Lieferverzögerungen/Materialengpässen und Stornierungen/Auftragsrückgängen.

Die strukturelle Krise zeigt sich deutlich bei Investitionen, Beschäftigung und Standortentscheidungen:

Beschäftigtenentwicklung 2026: 40 Prozent erwarten eine sinkende Beschäftigung, weitere 17 Prozent sogar eine stark sinkende Beschäftigung (> 5 Prozent Abbau), 37 Prozent eine konstante Beschäftigung, sechs Prozent eine leicht steigende Beschäftigung.

Investitionen in Deutschland 2026: 56 Prozent der Unternehmen planen geringere Investitionen, 26 Prozent gleichbleibende und nur sechs Prozent höhere Investitionen. Von den Unternehmen, die ihre Investitionen reduzieren müssen, gehen 39 Prozent von einer Kürzung von mehr als 30 Prozent aus, 22 Prozent von 20 bis 30 Prozent Kürzung, weitere 22 Prozent von zehn bis 20 Prozent Kürzung.

Gründe für Investitionsrückgang in Deutschland: 68 Prozent der Unternehmen nennen Arbeitskosten, jeweils 63 Prozent Energiekosten, Bürokratie/Regulierung und fehlende Planbarkeit durch Wirtschaftspolitik. 

“Wir halten ein gemeinsames Verständnis für unerlässlich, dass wir eine starke, wettbewerbsfähige Industrie brauchen, um unseren Lebensstandard und Wohlstand zu sichern. Wir weisen seit langem darauf hin, dass erst erwirtschaftet werden muss, was politisch verteilt werden soll”, so Lepping. „Die aktuelle Umfrage bestätigt erneut, dass vor allem die Themen Arbeitskosten, Energiekosten und Bürokratie angegangen werden müssen.”