Die anhaltend hohen Dieselpreise stellen die Spedition HGS Gropengiesser/Göbel in Lüdenscheid vor wirtschaftliche Herausforderungen. Im Gespräch mit LokalDirekt schilderte das Unternehmen, wie stark die Kostenbelastung zuletzt gestiegen ist — und warum sich diese nicht unmittelbar an die Kunden weitergeben lässt.

Fuhrpark und Geschäftsmodell

Die 1979 gegründete mittelständische Spedition organisiert Transporte für verschiedene Auftraggeber. Der Fuhrpark besteht aus zehn eigenen Lkw und sieben weitere Fahrzeuge eines festen Subunternehmers, die tagtäglich für die Spedition im Einsatz sind. Dabei handelt es sich überwiegend um 40-Tonner, aber auch 18-Tonner mit Anhänger und 7,5-Tonner mit Anhänger sind Teil der Flotte.

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit liegt auf Sammelguttransporten, bei denen kleinere Sendungen verschiedener Absender gebündelt und gemeinsam transportiert werden. Geschäftsleiter Martin Wozniak beschreibt diese Geschäftsmodell als effizient: „Auch weil wir dadurch als eher kleine Spedition flexibel auf Anfragen reagieren können.“ Allerdings, so betont er, reagiere es empfindlich auf steigende Betriebskosten.

Zur Fahrzeugflotte der Spedition HGS Gropengiesser/Göbel zählen zehn eigene Lkw sowie weitere Fahrzeuge eines Subunternehmers.
Foto: Hösterey

„Wir bleiben auf Mehrkosten sitzen“

Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen beim Kraftstoff. „Gerade bleiben wir auf den Mehrkosten sitzen“, sagt Wozniak. Nach seinen Angaben machen die Treibstoffkosten etwa 22 Prozent der gesamten Betriebsausgaben aus. Entsprechend stark würden sich Preissteigerungen bei Diesel auf die Kalkulation auswirken.

Um Schwankungen abzufedern, arbeiten viele Speditionen, und so auch HGS, mit sogenannten Dieselzuschlägen. Dabei wird mit dem Kunden ein Basispreis vereinbart, auf dessen Grundlage Zu- oder Abschläge berechnet werden. Heißt: Steigt der tatsächliche Dieselpreis über diesen Basiswert, wird ein prozentualer Zuschlag auf den Transportpreis berechnet. Sinkt der Preis, passiert das Gleiche in die andere Richtung.  Diese sogenannten „Diesel-Floater“ werden jedoch meist nur einmal im Monat angepasst. „Das ist in normalen Zeiten ein funktionierendes System“, erklärt Wozniak. „Bei so schnellen Preisanstiegen wie aktuell kommen wir damit aber an unsere Grenzen.“

Auswirkungen der Kraftstoffpreise

Wie stark sich die derzeitige Entwicklung der Rohölpreise auf den internationalen Energiemärkten konkret auf den Betriebsalltag der Lüdenscheider Spedition auswirkt, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel: Ein Lastwagen verbraucht im Schnitt rund 24 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Auf einer Strecke von etwa 500 Kilometern summiert sich das auf rund 120 Liter Kraftstoff. Bei einem Literpreis von durchschnittlich 1,50 Euro waren das umgerechnet 180 Euro pro 500 Kilometer — bei einem Dieselpreis von zuletzt 2,10 Euro pro Liter kostet die gleiche Strecke 252 Euro. „Bemessen auf zehn Lkw fallen dadurch bei uns je 500 gefahrene Kilometer Mehrkosten in Höhe von rund 720 Euro an“, rechnet Wozniak vor.

Umstieg auf E-Lkw keine Option

Ein Umstieg auf elektrisch betriebene Lastwagen sei derzeit jedoch keine realistische Option. Neben den deutlich höheren Anschaffungskosten nennt Wozniak vor allem praktische Einschränkungen im Betriebsablauf: „Wir können es uns nicht leisten, dass ein Fahrzeug über Stunden steht, nur weil es geladen werden muss.“ Für kleinere Speditionen mit eng getakteten Touren sei dies aktuell kaum umsetzbar.

Hoffnung auf Beruhigung

Für das Unternehmen HGS kommen die gestiegenen Kraftstoffpreise zu einem denkbar schwierigen Zeitpunkt: Nach den Belastungen durch die Sperrung der Rahmedetalbrücke habe sich der Betrieb zwar zuletzt wieder stabilisiert, nun würden die gestiegenen Dieselpreise aber für neue Unsicherheiten in der Planung sorgen. "Wir hoffen, dass sich der Dieselpreis innerhalb der nächsten zwei Wochen wieder etwas beruhigt", so Martin Wozniak. Bis dahin bleibe die Kostensteigerung bei den Kraftstoffen für seine Spedition ein wirtschaftlich enorm belastender Faktor.