Ein Amoklauf in einer Schule: Diesen Fall übte die Bundespolizei am Mittwoch, 29. Juli, in Meinerzhagen. In den Sommerferien bietet die Rothensteinschule dafür die idealen Bedingungen.
Ein etwa zehnköpfiges Ausbilderteam hat sich verschiedene Übungsszenarien in dem verzweigten Schulgebäude überlegt. Die Beamten wurden zuerst mit einer Lage konfrontiert, in der ein mit einem Messer bewaffneter Mann mehrere Schüler in einem Klassenraum in seine Gewalt gebracht hatte. Für die Bewältigung solcher Einsatzlagen sind grundsätzlich Spezialeinheiten wie die GSG 9 der Bundespolizei und die Spezialeinsatzkräfte der Landespolizei vorgesehen. "Abhängig von der Lageentwicklung", so erklärt eine Pressesprecherin der Bundespolizei, kommt jedoch zusätzlich auch speziell ausgebildete Kräfte der Bereitschaftspolizei zum Einsatz.
Unterstützung durch moderne Technik
In mehreren Gruppen haben sich die rund 35 übenden Beamten der Bundesbereitschaftspolizei aus Sankt Augustin dem Gebäude genähert. Über der Schule schwebt eine Drohne und hält das Areal von oben im Blick. Einer der Ausbilder erklärt: „Die Einsatzkräfte fließen in das Gebäude ein und versuchen sich möglichst schnell einen Überblick zu verschaffen.“ Die flüssigen Bewegungsabläufe, die routinierten Absprachen, all das erinnert wirklich ein wenig an fließendes Wasser und weniger an Menschen, die gerade in schwerer Schutzausrüstung ein Gebäude stürmen.
Fotogalerie
Im Erdgeschoss hängt ein Plan des Gebäudes – schnell verbreitet sich das Foto zwischen allen Einsatzkräften im Gebäude und der Einsatzleitung, die in einiger Entfernung von der Schule steht. Im Anschluss durchsuchen mehrere Trupps jeden Klassenraum nacheinander. Einen Täter finden sie im Erdgeschoss, einen weiterer versteckt sich irgendwo im Gebäude.
Das Klassenzimmer, in dem der Täter mit den drei Geiseln ist, wird umstellt. Einer der Beamten ist darin geschult, mit ihm zu verhandeln. Seine Kommunikation steht in dieser Übung besonders im Fokus.
Einige Räume weiter haben die Beamten eine Verletztensammelstelle eingerichtet: Vor der Geiselnahme wurden mehrere Schüler mit dem Messer verletzt. Sowohl der Täter als auch die anderen Betroffenen werden von Polizeibeamten dargestellt. Auch die medizinische Versorgung der Verletzten wird geübt. Jeder der eingesetzten Beamten der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit ist besonders geschulter Ersthelfer, einige der Polizisten haben sogar eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert.
Größter Polizeistandort Deutschlands ist in NRW
„Der Standort Sankt Augustin ist der größte Standort der Bundespolizei in Deutschland“, erklärt ein Ausbilder der Bundespolizei, der die Übung begleitet. Rund 2500 Mitarbeiter sind dort stationiert, 1000 von ihnen gehören zur Bundesbereitschaftspolizei, die die Übung in Meinerzhagen durchführt. Neben den Hundertschaftskräften rekrutiert sich aus der Bereitschaftspolizei auch die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, kurz BFE. Nach einem weiteren Fortbildungslehrgang haben sich die Einsatzkräfte, die in Meinerzhagen üben, für die BFE+ qualifiziert. Sie sind regulärer Teil der Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft, die zum Beispiel bei Fußballspielen zum Einsatz kommen, sind jedoch auch speziell ausgebildet und ausgerüstet.
In der Zwischenzeit wurde der Rest des Schulgebäudes gesichert, der Schwerpunkt in der Rothensteinschule hat sich auf den Raum verlagert, in dem sich der Geiselnehmer verschanzt hat. Zwei der drei Geiseln hat er durch die Verhandlungen der Bundespolizisten gehen lassen. Sämtliche Zugänge zu dem Raum sind umstellt, als der Geiselnehmer auf einmal durch einen Hinterausgang den Raum verlassen möchte. Auf dem Weg können die Einsatzkräfte den Täter überwältigen und auch die dritte Geisel unverletzt befreien.
Unterschiedliche Ansätze bei verschiedenen Bedrohungssituationen
Nach einer umfangreichen Nachbesprechung, in der das Vorgehen der Beamten von den Ausbildern bewertet wird, schließt sich eine weitere Übung zu einem Amoklauf an. Das Vorgehen der Beamten in diesem Fall ist deutlich dynamischer, mit lauten Rufen und schnellen Manövern stürmen sie diesmal in das Schulgebäude. Im Gegensatz zur ersten Lage, in der es darum ging, die Geiseln unbeschadet aus der Hand des Täters zu retten, geht es bei der zweiten Übung darum, möglichst schnell zum Täter vorzudringen, gibt einer der Ausbilder einen Einblick. Je eher die Polizei ihn erreicht, desto eher können Sie die Tat stoppen.
Auch Meinerzhagens Bürgermeister Jan Nesselrath (CDU) machte sich vor Ort ein Bild von der Übung und zeigte sich begeistert vom Ausbildungsstand und dem professionellen Vorgehen der Polizisten. Übungen wie diese, so erklärt eine anwesende Pressesprecherin der Bundespolizei abschließend, finden in den Schulferien regelmäßig in verschiedenen Schulen statt. Die unbekannten Objekte geben der Ausbildung einen anderen Charakter als die bekannten Übungsflächen am eigenen Standort.








