Ein zentrales Gremium für alle weiterführenden Schulen in Lüdenscheid: Das wird dank Elias Ignatzek bald Wirklichkeit. Der Schülersprecher des Bergstadt-Gymnasiums Lüdenscheid (BGL) sowie sachkundiger Bürger der SPD stellte in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses am Dienstag, 17. März, seinen Antrag auf eine Stadt-Schülervertretung (Stadt-SV). Was es damit auf sich hat, wie ihm diese Idee kam und was es für ihn persönlich bedeutet, einen Antrag zu stellen, verriet er im Lokaldirekt-Interview.

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„Wie schaffen wir es, die Perspektive von Schülern in Lüdenscheid nicht nur punktuell, sondern verlässlich strukturiert und schulübergreifend einzubinden?“ Mit dieser Frage startet Elias Ignatzek seine Begründung des Antrags und stellt so die für den Antrag wichtigste Frage dar.

„Es geht nicht mehr um Bürokratie, sondern um eine verlässliche schulübergreifende Beteiligungsstruktur für Schüler in Lüdenscheid“, heißt es in der Kernbotschaft des Antrags.

Stadt-SV: Eine geeinte Stimme für alle weiterführenden Schulen in Lüdenscheid

Jede Schule ist gesetzlich dazu verpflichtet, eine Schülervertretung (SV) zu haben, die die Interessen gebündelt an die Schulleitung und Elternvertretung weitergibt. Probleme entstehen laut Ignatzek vor allem dann, wenn mehrere Schulen gleichzeitig betroffen sind, zum Beispiel bei Fragen rund um den ÖPNV oder die Digitalisierung.

Sinn und Zweck der Stadt-SV ist es, auf Stadtebene eine gebündelte Stimme zu haben, die die verschiedenen Anliegen gemeinsam abstimmt und nachvollziehbar weitergibt.

Mit jeweils zwei bis drei im Schulrat gewählten Delegierten jeder weiterführenden Schule in Lüdenscheid, die die Interessen ihrer SV auf Stadtebene repräsentieren, wird die Stadt-SV quartalsweise tagen und Interessen besprechen, diskutieren oder Anträge stellen.

Das Besondere an dem Konzept: Die Stadt-SV darf zwei von diesen Delegierten als beratendes Mitglied in den Schulausschuss schicken und unterstützt somit, so Ignatzek, die Grundidee, die Interessen der Schüler in dem wichtigsten Gremium für Schulen in Lüdenscheid zu vertreten.

Die Idee zur Stadt-SV

Der Ursprung des Grundgedankens der Stadt-SV kam dem Schülersprecher schon vor längerer Zeit. Eine Plattform zu haben, in der gebündelt alle Schüler der Stadt Lüdenscheid gemeinsam etwas sagen oder Probleme ansprechen dürfen, hielt er schon immer für eine gute Idee. Durch seinen aktiven Status als sachkundiger Bürger entschied er sich letztendlich dafür, sich konkretere Gedanken zu machen.

Er erklärt, dass er, auch wenn er selbst nicht mehr lange Teil des Ganzen sein wird, aufgrund seines Abiturs und seines darauffolgenden Werdegangs, den anderen diesen Grundbaustein mit der Hoffnung auf weitere Entwicklung des Konzeptes geben möchte.

„Ich finde es banal, dass im Schulausschuss keine Schüler sitzen. Wenn über deren Perspektive oder Alltag entschieden wird, warum dann nicht mit der Stimme derjenigen, um die es am Ende tatsächlich geht?“, erklärt Ignatzek weiter.

Aus einem Gedanken wird Realität: Der Prozess bis zum Antrag

Bevor Elias diese Idee allerdings verwirklicht hat, holte er sich erst einmal Hilfe und Zuspruch innerhalb seiner Fraktion. Die SPD-Parteimitglieder Dominik Hass und Philipp Kallweit sicherten ihm ihr Interesse an dem Projekt zu, sodass er im Rahmen des schulischen SV-Seminars anfing, ein Konzept für die Stadt-SV zu entwickeln, dieses Stück für Stück mithilfe anderer Fraktionsmitglieder weiter auszubauen und schließlich in eine finalisierte Antragsform zu bringen.

Am Dienstag, 17. März, wurde dieser Antrag dann dem Schulausschuss vorgestellt und mit drei Enthaltungen angenommen.

Ein junger Mann mit lockigem Haar lächelt in einem Konferenzraum, umgeben von Papieren und einem Laptop. Er sitzt an einem Tisch mit einem Mikrofon und unterzeichnet ein Dokument.
Elias Ignatzek im Schulausschuss bei der Vorstellung seines Antrags.
Foto: Elias Ignatzek/ privat

Eine Idee mit Hoffnung und konkreten Zielen

Die Stadt-SV soll vor allem ein konkretes Ziel verfolgen: eine Ebene bilden, die nachhaltig arbeiten kann. Elias Ignatzek erklärt, es ginge darum, etwas zu erreichen, was auf Langzeit funktionieren kann – mit der Hoffnung auf Weiterentwicklung.

Ziele seien laut Ignatzek, mehr Rechte zu fordern und den eventuellen Umbau in eine Art Stadt- oder Jugendparlament zu ermöglichen.

Eine Sache liegt dem Schülersprecher besonders am Herzen: die Hoffnung auf Ernsthaftigkeit seitens der Delegierten.

„Ich möchte, dass da wirklich vernünftig dran gearbeitet wird, sodass wir gemeinsam in der Lage sind, positive Veränderungen für die Schüler der Stadt Lüdenscheid hervorzubringen“, betont Elias.

Der erste Schritt in die Richtung persönlicher Träume

Das Stellen eines Antrags erfordert allerdings eine Menge Mut und eine gewisse Überwindung. Schließlich gilt es, vor den (erfahrenen) Kollegen im (Schul-)Ausschuss zu reden, seinen Antrag zu erklären und zu begründen.

Auch für Elias bedeutet dieser Schritt etwas ganz Besonderes. Für ihn war das beste Gefühl zu wissen, dass er etwas ausgearbeitet und ein Konzept entwickelt hat, das er zuerst in die Fraktion gebracht, und diese davon überzeugt hat, den Antrag schließlich dem Schulausschuss vorzustellen und dessen Zustimmung zu bekommen.

„Das war schon außergewöhnlich, sowas das erste Mal zu machen und direkt mit Anerkennung und Zustimmung belohnt zu werden“, sagt Ignatzek über den ersten Schritt in die Richtung seiner persönlichen Ziele.

Finalisierung der Stadt-SV

Nach der Zustimmung des Antrags wurde die Verwaltung beauftragt, sich mit dem Antrag auseinanderzusetzen und dessen Anforderungen nachzukommen. Elias Ignatzek erklärt, dass sich ab jetzt Gedanken darüber gemacht werden, wie man das Projekt umsetzt und inwieweit die Verwaltung in der Lage ist, dieses zu unterstützen und weiter zu finalisieren.

Bei der Initialisierung des Antrags möchte Ignatzek gerne mithelfen, sodass das Projekt im besten Fall noch dieses Jahr so weit ist, dass das Ziel, zu Beginn des nächsten Schuljahres mit den ersten Delegierten zu starten, erreicht werden kann.

Zu den jeweiligen Schuljahresquartalen finden dann Sitzungen statt, in denen vor allem in der Anfangsphase ein festes Programm entwickelt wird. Ignatzek betont außerdem, dass es zu Beginn wichtig ist, eine gewisse Gewöhnung zu schaffen, sodass es mit der Zeit von alleine zu geregelten Zeiten und Abläufen kommt.

„Am Ende geht es nicht um etwas Radikales, sondern um etwas sehr Vernünftiges: um mehr Klarheit, mehr Verlässlichkeit und eine bessere Verbindung zwischen Schulen, Verwaltung und Politik“, heißt es in der Begründung des Antrags.

Eine Stadtschülervertretung kann laut Ignatzek dazu beitragen, Anliegen früher aufzunehmen, effizienter zu bündeln und besser in die politischen Beratungen einzubringen.

Er glaubt fest daran, dass die Stadt-SV eine sehr gute Sache für Lüdenscheid darstellt und es auch für die Stadt wichtig ist, eine gebündelte Stimme zu haben.