„Patienten“, die Kummer loswerden oder Anregungen geben wollen, können das in der „Grünen Sprechstunde“ tun. Die Idee hat Birgit Claus, Ratsfrau von Bündnis 90/Die Grünen, am Freitag, 11. September, gleich umgesetzt.
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor einer Woche, nahm das Konzept schnell Formen an. Nachdem die AFD mit 44 Prozent der Stimmen dort stärkste Fraktion geworden war, war für Birgit Claus klar, dass man versuchen müsse, die „Kluft zwischen Politik und Bürgern“ zu überwinden. Zwei Tage nach dem für viele schockierenden Wahlergebnis stellte sie ihre Idee bei einer Sitzung des Ortsvereins der Grünen vor: jeweils freitags zwischen 12 und 13 Uhr eine „Grüne Sprechstunde“ am Rande des Wochenmarktes.
Zunächst bis zum Jahresende will sie ausprobieren, wie das angenommen wird. Dabei sollen auch andere Aktive aus dem Ortsverein als Ansprechpartner einspringen. Birgit Claus möchte Anregungen der Bürgerinnen und Bürger mit in den Rat nehmen, sie aber auch ermutigen, selbst aktiv zu werden. „Kommt doch mal vorbei und macht es selbst“, motiviert sie, die Stunde der Öffentlichkeit im Rat und in den Ausschüssen zu nutzen.
„Statt Ankündigungen besser machen“
Die Premiere am Freitag, 11. September, sieht sie als gelungen an. In der einstündigen Aktion habe sie interessante Gespräche geführt und mitgenommen, „dass die Leute gerne angesprochen werden wollen“. Thematisiert worden sei die Rothenstein-Schule, die als „Hochsicherheitstrakt“ wahrgenommen werde und Anlieger zu Umwegen zwinge. Auch pauschale Vorwürfe, wie „Den Medien kann man ja nicht trauen“, seien bei ihr angekommen. Auf konkrete Nachfrage, warum nicht, passten die Gesprächspartner und flüchteten in eine Floskel: „Hab ich so gehört.“
Für Birgit Claus ein Signal, dass man Pauschalierung und Propaganda entgegentreten muss. Sie möchte sich „aber nicht an der AFD abarbeiten“, sondern auf „die DNA der Grünen konzentrieren“ und deren Konzepte vertreten. Sie knüpft damit an eine Diskussion zwischen Cem Özdemir, Ministerpräsident in Baden- Württemberg, und Armin Laschet, ehemaliger NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der CDU, an. Die hatten das in einer TV-Talkrunde ebenfalls als Rezept angesehen. Auch ihr Tenor lautet: Nicht anderen hinterherhecheln und Ankündigungen machen, sondern selbst machen.








