Als „Wiederholungstäter“ präsentierte sich das Hamburger A-cappella-Ensemble LaLeLu nach zwei Jahren erneut beim inzwischen fest in der Vier-Täler-Stadt etablierten Acappellissimo-Festival der „einzigen Plettenberger Boygroup Four Valleys“.

Der versierte Acappellissimo-Gänger weiß: Unbesehen kann man hingehen, wenn die Four Valleys diese Veranstaltung organisiert haben. Erstens singen die Männer selbst, und zweitens haben sie immer gute Gäste.

Four Valleys stimmen auf den Abend ein

Im ersten Teil des Abends ließen die Männer hören, dass sie sich als „anerkannt einzige Plettenberger Boygroup“ nicht hinter den Backstreet Boys verstecken müssen. „I Want It That Way“, ein großer Hit der Amerikaner, könnte man auch als musikalischen Wegweiser der Plettenberg Boys nehmen.

Sie unterhielten mit vielstimmigem Gesang unter der Leitung von Thomas Weidebach, der sie bereits seit 25 Jahren durch die musikalischen Klippen der Chorlandschaft steuert. Sie schickten „A Kiss from a Rose“, zündeten das „Feuerzeug“, ließen Billy Joels hoffnungsvolles Liebeslied „For the Longest Time“ erklingen und erhoben das schottische „Parting Glass“ zum Abschied.

Tenor Sven Mialkas führte launig durch die Moderation und motivierte das Publikum zum gemeinsam gesungenen Geburtstagsgruß für den ehemaligen Four-Valleys-Sänger Heinz-Harald Weber zum 80. Geburtstag.

Politische Spitzen, große Stimmen und viel Quatsch

Anschließend setzten die vier Stimmenvirtuosen Jan Melzer, Tobias Hanf, Sanna Nyman und Frank Valet dazu an, mit ihrem neuen Programm „Urlaub vom Hirn“ und ihrem Mix aus Gesang zwischen Pop und Klassik, Komik, Show und Parodie die Plettenberger zu gewinnen.

Politische Seitenhiebe wechselten sich ab mit Demonstrationen ihrer Gesangsakrobatik, scheinbar sinnbefreiter Schreikunst und Comedy. Basis ihrer Programminhalte sind redaktionelle Besprechungen, ein wacher Blick auf das Umfeld und die Gegenwart. Mit ironischem Blick greifen sie die Vielseitigkeit des Lebens auf und verarbeiten sie für ihr Publikum.

Nun wissen auch in Plettenberg deutlich mehr Menschen, was bei LaLeLu zu erwarten ist. Der Bekanntheitsgrad hatte vor zwei Jahren bei einer Abfrage im Publikum gerade einmal bei 2,5 Prozent gelegen. An diesem Abend haben sie diese Hürde übersprungen. Die Fanbase von LaLeLu dürfte sich mit diesem Konzert wieder vergrößert haben.

Mit Quatsch, aber immer mit großer musikalischer Ernsthaftigkeit mischen die Tonkünstler das, was auf der politischen Bühne passiert, in ihr Programm. Zum Vergnügen ihres Publikums, das sich auf eine Reise der geistigen Entspannung begeben durfte.

Wenn Friedrich Merz zum Musical-Salamander wird

So berichtete Jan Melzer von beträchtlicher Aufmerksamkeit beim Start des neuen Programms. „So kam denn eine Anfrage nach einer Image-Kampagne für die Bundesregierung. Was ist als A-cappella-Gruppe da möglich, fragten wir uns, was würde da passen?“

Aus der Musical-Stadt Hamburg lag da natürlich ein Musical für die Bundesregierung nahe. Jan Melzer outete sich: „Ich hab’s geschrieben, also ein Stück habe ich fertig.“ Der Titel: „Das hässliche Fröschlein“, in dem es um den Salamander Friedrich geht.

Die große Arie des Salamanders gab Melzer zum Besten: „… meinen Kaffee getrunken, in der Zeit sind meine Umfragewerte schon wieder um 10 Prozentpunkte gesunken, ich eile vom Negativ zum Negativ, mich runterzumachen ist nationaler Sport. Ich bin unbeliebt …“

Merz blieb nicht der Einzige, der pointiert vors Publikum gezogen wurde. Seine Amtsvorgänger Angela Merkel und Gerhard Schröder erhielten genauso ihr Fett ab wie in den Parodien von Bassist Tobias Hanf die Politiker Karl Lauterbach und Jens Spahn sowie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Gekonnte Zungenakrobatik zeigte Hanf bei der Darstellung des „Let’s Dance“-Jurors Jorge González sowie des „Vorzeige-Chefredakteurs“ Horst Schlämmer vom Grevenbroicher Tageblatt.

Weltgesang führte zu Sannas finnischem Hexengesang, Politsatire wechselte zu Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit KI und Social-Media-Abhängigkeiten, Body-Percussion ließ Rhythmen spürbar werden. Es ging um Männergefühle und die Folgen der Menopause. Faszinierend waren auch die Beatbox-Techniken. Jan Melzers beatboxende Umsetzung einer Hammond-Orgel führte zum unwillkürlichen Ausruf: „Das klang so echt. Das kann man doch nicht mit dem Mund machen!“

Zum Ende des vergnüglichen Konzertabends zückten die Profimusiker ihre LaLeLu-Songbooks, aus denen sie kabarettistisch bearbeitete kleine Songs auf Basis bekannter Volkslieder vortrugen. Schließlich wurde aus dem erwartungsvollen Publikum ein großer Chor, der gemeinsam mit LaLeLu den Abend beschloss.

Oper trifft Ballermann beim After-Glow

Beim anschließenden After-Glow ließen es sich weder die Four Valleys noch LaLeLu nehmen, die verbliebenen Zuhörer mit einigen Liedern zu erfreuen. Dabei brachten LaLeLu dem Publikum die Welt der Oper auf kurzweilige Art näher: Opernarien trafen auf Ballermann-Texte.