Interview.
Vier Kandidaten wollen Bürgermeister in Schalksmühle werden. Am 14. September fällt die Entscheidung. In Interviews mit LokalDirekt erklären sie, was sie antreibt und welche Pläne sie für die Gemeinde haben. Los geht’s mit Roman Bossart, Kandidat der UWG. Das Gespräch fand im Juni statt.
Bereits seit vielen Jahren engagiert er sich im Rat der Gemeinde, ist Vorsitzender der UWG. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten, ist jedoch seit 26 Jahren als selbstständiger IT-Kaufmann tätig. Der 52-jährige Vater eines erwachsenen Sohnes verbringt seine - nach eigenen Angaben - knappe Freizeit gerne mit der Familie auf dem ehemaligen Bauernhof, den er gemeinsam mit seiner Partnerin bewohnt. Dort kümmert er sich um Hund, Stall und Garten und kocht leidenschaftlich gerne. Früher, so berichtet er, war er Hobby-Jäger - diese Zeit investiert er jedoch nun stattdessen in die Lokalpolitik.
Persönliches
LokalDirekt: Als Treffpunkt sollten Sie einen Ort bestimmen, der Ihnen viel bedeutet. Nun sind wir hier – warum?
Roman Bossart: Weil mein Zuhause mein Lieblingsort ist - hier, bei meiner Lebensgefährtin, unserem Hund, unserer Katze und unseren Hühnern kann ich entspannen und runterkommen. Außerdem haben wir das Glück, einen großen Garten zu haben, an dem ich mich erfreuen kann.
LokalDirekt: Beschreiben Sie sich selbst in drei Worten. Ohne weitere Erklärung.
Strebsam. Fokussiert. Engagiert.
LokalDirekt: Was bringt Sie zum Lachen?
Gespräche mit meiner Lebensgefährtin, aber auch Comedy-Serien wie "The Big Bang Theory", den "Simpsons" - und Dieter Nuhr.
LokalDirekt: Und was macht Sie wütend?
Unehrlichkeit, Unzuverlässigkeit und Inkonsequenz.
Schalksmühle – eine Bestandsaufnahme
LokalDirekt: Das Hotel zur Post wird saniert. Wie könnte das Objekt zu einer echten Chance für den Ortskern werden? Und welchen Beitrag könnten Sie als Bürgermeister hierbei leisten?
Das Hotel zur Post muss ein Erfolgsprojekt werden - ein Magnet für alle Schalksmühler, aber auch über die Ortsgrenzen hinaus. Der erste Schritt, den wir beeinflussen können und auch bereits beeinflusst haben, ist das Erscheinungsbild - da sind wir, glaube ich, auf einem extrem guten Weg. In Kürze wird die Ausschreibung erfolgen, kurz darauf hoffentlich auch der Zuschlag. Für sehr wichtig halte ich eine lebhafte Gastronomie. Wichtig wäre mir, dass es familiengeführt ist, weil ich dieses Konzept für einen Erfolgsgaranten halte. Ich glaube, dass das tolle Erscheinungsbild des Objekts - und für dieses haben wir bereits gesorgt - in Kombination mit einer Gastronomie, die eine gute Küche mit frischen, regionalen Produkten anbietet, zu einem großen Erfolg des Projekts führen kann.
LokalDirekt: Multifunktionssporthalle. Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
Ich bin ganz klar für die Sporthalle - auch, wenn man das Konzept noch einmal überdenken sollte. Denn auch, wenn Handball eine große Rolle in der Gemeinde spielt und die Sporthalle am Löh sicher keine Dauerlösung sein kann, dürfen wir die anderen Vereine bei der Planung nicht aus dem Blick verlieren. Als Bürgermeister würde ich versuchen, Synergien zu schaffen - hierzu habe ich mich bereits mit zwei Vereinen intensiv ausgetauscht. Ich höre immer wieder, dass es in den einzelnen Vereinen Programme gibt, die wegen mangelnden Teilnehmern nicht durchgeführt werden können - hier könnten vielleicht vereinsübergreifende Sportgruppen die Lösung sein. Ähnlich verhält es sich mit der geplanten Halle: Diese muss für alle nutzbar sein. Der Standort ist für mich klar: Da bieten sich meines Erachtens der Sportplatz am Löh und das dahinterliegende Gelände ganz einfach an, auch, wenn die Zu- und Abfahrt nicht ganz optimal ist. Von meiner Seite aus also ein ganz klares "Ja" für die Sporthalle - unter der Bedingung, dass sie einen Mehrwert für alle bietet.
LokalDirekt: Junge Menschen sagen: „Hier ist nichts los.“ – Stimmt das? Und wenn ja: Nennen Sie mögliche Lösungsansätze.
Für junge Menschen ist es sicher manchmal problematisch, hier einen Ausgleich zu finden, daher brauchen wir definitiv Freizeitangebote. Ich glaube zum Beispiel, dass der von den drei Primusschülern - die sich mit ihrem Anliegen zuvor an die UWG gewandt haben - angestoßene Bikepark Menschen aus allen Altersklassen abholen könnte. Diesen könnte man auch mit dem von der SPD vorgeschlagenen Grillplatz kombinieren. Ein geeigneter Standort hierfür wäre meines Erachtens das Gelände unterhalb der Primusschule - dieses gehört ohnehin der Gemeinde. Ein Appell meinerseits an die Jugendlichen wäre, nicht mit einer sogenannten "Vollversorger-Mentalität" an die Sache ranzugehen, sprich: Sich, wenn wir als Gemeinde solche Plätze schaffen, selbst Getränke und Snacks mitzubringen, und die Plätze anschließend sauber wieder zu verlassen.
LokalDirekt: Apropos junge Leute - immer wieder wird die mangelhafte Anbindung der Gemeinde an den öffentlichen Personennahverkehr kritisiert. Wie könnte eine Lösung ihres Erachtens aussehen?
Das ist tatsächlich kompliziert. Ich habe schon, als ich noch Vorsitzender des Fördervereins der Grundschule Spormecke war, viel mit der MVG zu tun gehabt. Man darf nicht vergessen, dass die MVG mittlerweile ein Dinosaurier ist, der wahnsinnig viele Taktungen im Blick haben muss, und darf deshalb nicht nur seinen eigenen Bereich sehen - obwohl es sicher immer Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Ich würde als Bürgermeister nicht pauschal versprechen wollen, in der Lage zu sein, diese Situation nachhaltig zu verändern - der Einfluss der Kommune ist da wirklich gering. Die älteren Einwohner der Gemeinde können den Bürgerbus nutzen, und ich glaube, dass wir mit diesem Angebot gut aufgestellt sind – und uns nicht im Tal des Jammers befinden.
LokalDirekt: Leere Ladenlokale im Ortskern. Wie könnten die Gemeinde und Sie als Bürgermeister Schalksmühle wieder attraktiver für Einzelhändler machen?
Wir alle sind dafür verantwortlich, mehr im Ortskern zu kaufen - und auch ich versuche, die lokalen Angebote wahrzunehmen. Die Attraktivität des Ortskerns, die Qualität des Einzelhandels, das Hotel zur Post - das alles ist ein riesengroßer Kreislauf. Ich glaube, dass eine optische Aufwertung des Ortskerns - hierzu könnten zum Beispiel Blumenkübel an den Laternenmasten beitragen - die Aufenthaltsqualität dort erhöhen könnte. Eine pauschale Lösung sehe ich jedoch nicht, denn hinter jedem Anbieter steht ein Unternehmer, der ein Risiko eingeht - und dieses Risiko muss abgewogen werden. Dafür braucht es risikobereite Bürger, die den Sprung wagen - und ich weiß nach 26 Jahren der Selbstständigkeit selbst, welche Hochs und Tiefs diese mit sich bringt. Wenn wir solche nicht finden, ist das momentan nicht zu ändern. Eine Aufwertung des Platzes vor dem Hotel zur Post jedoch - zum Beispiel durch eine Beschattung oder einen großen Baum - könnte eine Wohlfühlatmosphäre im Ortskern schaffen. Als Bürgermeister würde ich versuchen, diesen Prozess mit Unterstützung des Stadtmarketings und dem Markenprozess der Gemeinde anzustoßen, dort Anreize zu schaffen und damit eine Dynamik zu entwickeln, die auch dafür sorgen wird, dass die Ladenlokale wieder mit Leben gefüllt werden.

LokalDirekt: Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie in der Gemeinde aktuell?
Die größte Herausforderung ist sicher jetzt erst mal die Konsolidierung der Finanzen - und da befinden wir uns gerade in einer Zwickmühle, weil der Bürgermeister auf die Wirtschaftsleistung unwahrscheinlich wenig Einfluss hast. Die Wirtschaft muss wieder laufen, da die Gewerbesteuer nun mal der größte Financier der Gemeinde ist. Daher müssen wir auf eine Beruhigung der Situation hoffen, jedoch trägt der Krieg in der Ukraine oder zwischen Israel und dem Iran gerade wenig zu einer solchen bei - trotz der allgemeinen Wirtschaftsbelebung in den letzten Wochen. Wir müssen ein Umfeld schaffen, in dem die Betriebe erfolgreich agieren können. Ich möchte deshalb auf jeden Fall dafür werben, die Gewerbesteuer wieder zu senken, um mehr Handlungsspielraum für Investitionen zu schaffen. Außerdem bin ich ein Befürworter der Erweiterung des Gewerbegebiets im Raum Golsberg - dabei aber nicht darauf getrimmt, die Flächen zu schaffen und zu verschachern, sondern stattdessen mit den heimischen Unternehmern ins Gespräch zu kommen und so herauszufinden, welche Verbesserungsmöglichkeiten und Wünsche auf deren Seite existieren - um die Kommunikation zwischen Unternehmern, Bürgern und der Verwaltung zu verbessern.
LokalDirekt: Die Anzahl der Einwohner sinkt: Wie könnte man Schalksmühle als Wohnort für junge Familien wieder attraktiver machen?
Meines Erachtens vor allem durch die Schaffung von Freizeitangeboten für Familien - jedoch sollen diese sich nicht nur nach Feierabend, sondern auch während der Arbeitszeiten in der Gemeinde wohlfühlen - mit dem Wissen, dass ihre Kinder in dieser Zeit gut versorgt sind. Deshalb halte ich den Ausbau der Ganztagsbetreuung für ebenso wichtig wie das Angebot der "acht bis eins"-Betreuung, die ich in an der Grundschule Spormecke seinerzeit selbst etabliert und gefördert habe. Hier muss es vor allem eine Balance zwischen Kosten und Nutzen geben - und gute Angebote kosten, gerade in diesem Bereich, Geld. Daher halte ich die Erhöhung von Gebühren an manchen Stellen für unvermeidlich. Die Gemeinde Schalksmühle zeichnet sich dadurch aus, dass sie schon immer finanziell schlechter gestellten Bürgern unter die Arme gegriffen hat - und auch ich bin der Meinung, dass dieses Angebot für alle finanzierbar sein muss.
Schalksmühle – Schule, Soziales, Familie, Digitalisierung
LokalDirekt: Das Pro-Kopf-Einkommen der Bewohner der Volmegemeinde ist höher als das der Düsseldorfer. Aber: Auch hier gibt es Armut. Wie könnten sozial schlechter gestellte Menschen von der Gemeinde aufgefangen und unterstützt werden?
Ich glaube, dass wir für diesen Bereich bereits ein recht gutes Konzept haben und als Gemeinde schon viele Leute abholen und dafür sorgen, dass jeder seine Vorteile, die er seitens unseres Sozialstaats zu Recht erhält, auch nutzen kann. Ich denke, dass niemand, der in Schalksmühle Hilfe benötigt, gegen verschlossene Türen läuft - jedoch dürfen die Betroffenen nicht nur fordern, sondern müssen auch selbst aktiv werden und sich gewisse Dinge trauen. So könnte zum Beispiel die Rentnerin, die sich die Hundesteuer nicht mehr leisten kann, bei der Gemeinde nach einem Erlass oder einer Ermäßigung fragen. Allgemein könnte ich mir vorstellen, bei Alleinstehenden, Verwitweten oder Senioren auf die Erhebung einer Hundesteuer zu verzichten. Und ganz allgemein glaube ich, dass die Gemeinde Schalksmühle immer ein offenes Ohr für solche Menschen hat.
LokalDirekt: In diesem Zusammenhang: Alleinerziehende, Frauen, ältere Menschen, Kinder: Wer wird in Schalksmühle Ihrer Meinung nach strukturell übersehen – und was möchten Sie dagegen tun?
Für Alleinerziehende wäre da natürlich der weitere Ausbau der Ganztagsbetreuung der erste Schritt - um ihnen eine selbstbestimmte Zeiteinteilung zu ermöglichen, die sich nicht nach irgendeinem Taktgeber richtet. Da brauchen wir definitiv mehr Flexibilität, Service und Angebote - die aber natürlich andererseits auch finanziert werden müssen. Ein Problem sehe ich in dem Zusammenhang bei der verpflichtenden Ganztagsbetreuung: Da sollten wir nach dem Konnexitätsprinzip - also wer es bestellt, zahlt es auch - arbeiten. Ich persönlich hoffe darauf, dass von dem 500 Milliarden-Paket der Bundesregierung auch etwas in der Gemeinde ankommt. Denn auch, wenn die Gemeinde Schalksmühle reich ist und im Vergleich zu anderen Kommunen trotz zwei schlechterer Haushaltsjahre gut dasteht, braucht auch sie Unterstützung vom Land und vom Bund - an der Stelle muss die Regierung jetzt liefern, um solche Angebote ermöglichen und durchsetzen zu können.
LokalDirekt: Die Primusschule hat ein Alleinstellungsmerkmal in der Region – und ist vor kurzem aus der Erprobungs- in die Bestandsphase übergegangen, bleibt der Gemeinde also dauerhaft als Institution erhalten. Halten Sie das Konzept für zukunftsfähig?
Grundsätzlich ja - zumindest nach dem, was ich höre, zu urteilen. Das offene Prinzip der Schule - das sich unter anderem durch Gruppenarbeit und Alternativen zum klassischen Frontalunterricht auszeichnet - bietet, glaube ich, gerade in der heutigen Zeit, einen echten Mehrwert. Daher bin ich froh, dass wir die Primusschule haben und ihr Fortbestand gesichert ist. Mit dem Gebäude und der gesamten Anlage hat die Gemeinde einen echten Wohlfühlort geschaffen, der eine gewisse Aufenthaltsqualität bietet. Die Gemeinde ist darüber hinaus in der Lage, die Schule technisch gut auszustatten, unter anderem mit Beamern und Whiteboards. Im Falle meiner Wahl würde ich als Bürgermeister auch dafür sorgen, dass die Ausstattung den Schülern erhalten bleibt - ohne dabei das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen aus den Augen zu verlieren. Dass das pädagogische Konzept aufgeht, sieht man übrigens meines Erachtens auch an der hohen Quote der Schüler, die nach dem Abschluss auf das Gymnasium wechseln, um dort das Abitur abzulegen - diese Kennzahlen stimmen mich positiv und sprechen dafür, dass eine Schule wie diese super in unsere Gemeinde passt.
LokalDirekt: Digitalisierung – ganz Deutschland redet darüber. Und trotzdem werden immer noch Faxe geschickt und Formulare ausgefüllt. Wird die Gemeinde mit Ihnen als Bürgermeister digitaler?
Das wird sie mit Sicherheit - weil die Digitalisierung eines meiner Herzensprojekte ist. Man muss an die Angelegenheit jedoch mit Augenmaß rangehen und besonders zunächst die Mitarbeiter der Verwaltung mitzunehmen - durch gezielte Schulungen, aber auch durch den Austausch und den Abbau der Angst, dass Arbeitsplätze durch die Digitalisierung wegfallen könnten. Als Bürgermeister würde ich die Digitalisierung daher natürlich fortführen, allerdings nicht mit der Brechstange, indem ich das Füllhorn der Digitalisierung über der Gemeinde ausschütte. Stattdessen würde ich darauf achten, nur gute und vernünftige Bausteine zu implementieren. Aktuell bietet die Gemeinde schon 18 digitale Serviceleistungen, die auf der Homepage der Gemeinde zu finden sind - und die teils sehr unbekannt sind. Ich persönlich bin zum Beispiel ein großer Fan der Abfall-App, die ich für ein hervorragendes Angebot halte. Ich glaube, dass ich bei der Umsetzung der Maßnahmen zur Digitalisierung ein guter Mediator sein und diese gut voranbringen könnte, weil ich beruflich aus genau diesem Bereich komme und einen großen Erfahrungsschatz mitbringe. Und, nebenbei: Ich persönlich bin nicht für die Abschaffung der Fax-Geräte, bloß, weil die antiquiert erscheinen - im Krisenfall könnten diese durchaus nützlich sein.
Schalksmühle und das Klima
LokalDirekt: Wir leben in Zeiten des fortschreitenden, menschengemachten Klimawandels. Borkenkäfer und Jahrhundertflut liegen hinter uns, aber, realistisch betrachtet, noch viele weitere Wetterereignisse vor uns. Welche konkreten Maßnahmen könnte die Gemeinde ergreifen, um unseren Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen?
Als Bürgermeister würde ich dafür sorgen, dass auf allen öffentlichen Gebäuden Photovoltaik-Anlagen installiert werden. Nicht nur, weil es eine der leichtesten Möglichkeiten der Stromerzeugung ist, sondern vor allem auch die, die am wenigsten belastet. Hier könnten gezielt Anreize geschaffen werden - zum Beispiel durch eine Förderung, wie es sie schon mal für Balkonkraftwerke gab. Und auch in punkto Hochwasserschutz muss etwas passieren: Hier würde ich als Bürgermeister mit den Eigentümern besonders gefährdeter Häuser gezielte Gespräche führen und versuchen, Lösungen zu finden. Außerdem sollten neue Ablaufflächen auf dem Gemeindegebiet geschaffen werden.
LokalDirekt: Und welchen Beitrag könnte jeder Einzelne für das Klima leisten? In welchen Bereichen gehen Sie bereits als gutes Beispiel voran, indem sie zum Beispiel das Auto auch mal stehen lassen?
Ich fahre gerne und regelmäßig E-Bike, meine Heizkörper werden über Bewegungskontakte gesteuert, und ich habe die komplette Beleuchtung auf LED umgerüstet. Darüber hinaus kann man meiner Meinung nach nur an die Bürger appellieren, wachsam zu bleiben, Informationen zu sammeln und ein individuelles Bewusstsein für die Klimaveränderungen zu entwickeln. Am Ende hat jeder die Möglichkeit, im Rahmen seiner Möglichkeiten - die leider auch oft genug von finanziellen Mitteln abhängen - seinen Teil beizutragen. Nicht vergessen sollten wir bei der ganzen Diskussion jedoch auch, dass Deutschland nicht das weltweite Klima retten kann - es müssen nicht nur alle mitmachen, sondern meiner Meinung nach auch andere Bausteine gedacht werden, wie zum Beispiel die mögliche Schaffung von Photovoltaikanlagen in der Sahara oder die dortige Erzeugung von Wasserstoff.
LokalDirekt: In diesem Zusammenhang darf eine Frage natürlich nicht fehlen - wie stehen Sie zu dem geplanten Windpark auf dem Worthberg?
Wir werden um Windkrafträder nicht herumkommen. Hierbei wäre mir eine Beteiligung der Bürger wichtig - entweder monetär an der Anlage selbst oder dass sie zumindest von dem erzeugten Strom partizipieren. Dadurch könnte die Akzeptanz der Bürger meines Erachtens deutlich gestärkt werden.

Schalksmühle und das liebe Geld
LokalDirekt: Die Haushaltslagen der Kommunen in der Region sind angespannt. Auch Schalksmühle ist mit einem Defizit aus dem letzten Jahr herausgegangen, wenn auch bei vergleichsweise immer noch hohen Rücklagen. Wie wird sich die Haushaltslage mit Ihnen als Bürgermeister wieder verbessern?
Die derzeit noch bestehende Rücklage sollten wir betrachten wie einen Eiswürfel in der Sonne - er könnte schneller weg sein, als wir jetzt noch denken. Eine Gemeinde hat jedoch nur bedingt Einfluss auf eine mögliche Erhöhung der Einnahmen. Es sollten aber für die Wirtschaft bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit diese wieder floriert. Auch über eine Erhöhung der Steuern und Gebühren sollte in diesem Atemzug gesprochen werden - auch, wenn es sich hierbei natürlich um unpopuläre Maßnahmen handelt. Der Gemeinderat hat ja kürzlich bereits die Gewerbe-, Grund- und Hundesteuer moderat angepasst - wir bewegen uns im Vergleich zu anderen Städten und Kommunen immer noch auf einem vertretbaren Niveau. Solche Maßnahmen müssen von Bürgermeister und Rat gemeinsam beschlossen werden und transparent nach außen kommuniziert werden. Ich persönlich glaube darüber hinaus ganz fest an den Wirtschaftsaufschwung und daran, dass sich die Wirtschaft bald wieder erholen wird - und durch eine Verbesserung der Gesamtsituation wird sich auch die Lage der Gemeinde wieder verbessern. Da bin ich, auch in meiner Rolle als Unternehmer, von Grund auf optimistisch.
Wie stehen Sie zur geplanten Erhöhung der Kreisumlage?
Ich glaube, dass hier ein Problem der Misswirtschaft seitens des Kreises besteht - und das macht mich ehrlich gesagt wütend. Ich schaue hierbei besonders auf das Kreiskrankenhaus und die MVG - wobei man hier ergänzen muss, dass alle Fahrzeuge durch Elektrobusse ersetzt werden sollen, und diese Maßnahme auf Grundlage des Konnexitätsprinzips kaum umsetzbar ist. Solche Ideologien können nicht einfach über Unternehmen, Institutionen, Städte und Kreise gestülpt werden, ohne vorher die Frage der Finanzierbarkeit zu klären - hier muss die Balance zwischen Kosten und Nutzen im Auge behalten werden. Ich glaube, dass wir in Deutschland durchaus noch in der Lage sind, günstige und saubere Dieselmotoren oder Hybride Antriebstechniken zu bauen. Nicht zu vernachlässigen ist hierbei meiner Meinung nach auch die zersiedelte und bergige Region, in der wir leben - in dem Zusammenhang stellt sich mir persönlich dann auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit solcher Anschaffungen. Solche Faktoren sollten meines Erachtens vorab analysiert werden, um nicht einfach nur einem Trend hinterher zu hecheln. Wenn die MVG finanziell mit Anschaffungen dieser Größenordnung finanziell überfordert ist, ist das meines Erachtens nach insgesamt eine Fehlentwicklung. Bei den Märkischen Kliniken hingegen sehe ich vor allem ein hausgemachtes Problem: Hier muss sowohl Aufklärung als auch ein Ausweg aus dieser ganzen Misere her. Natürlich sind manche Probleme auch der Krankenhausreform geschuldet, ein Großteil dieser sind jedoch meiner Meinung nach hausgemacht. Es wurden Fehlentscheidungen getroffen, die nun von den Kommunen ausgebadet werden sollen - und das sehe ich ein Stück weit nicht ein. Hier muss entweder ein anderes System her - oder jemand muss auf den Tisch hauen und sagen, dass die Kommunen da nicht mitspielen und nicht überfordert werden können. Zur Verbesserung der Haushaltslage der Gemeinde können wir auch nicht einfach die Steuersätze verdoppeln - der Kreis hingegen kann das leider machen. Der Kreis darf weder Schulden machen, noch kann er pleite gehen - deshalb wird da teilweise auch Geld zum Fenster rausgeworfen, mit dem besser nachhaltig und vorausschauend umgegangen werden sollte. Hier sollte man auch die Entscheidungen des Landrats aktiv hinterfragen - und ein deutliches Signal setzen, dass man nicht alles mit sich machen lässt.
LokalDirekt: Und was können Sie tun, um die Gemeinde für die heimischen Unternehmen weiter attraktiv zu halten? Oder, noch besser, dafür zu sorgen, dass sich neue ansiedeln?
Ich würde als Bürgermeister dafür werben, die Gewerbesteuer wieder herabzusetzen, sobald die Wirtschaft wieder läuft - was ja derzeit von vielen Stellen prognostiziert wird. Zumindest einen Teil der Erhöhung sollten wir als Gemeinde dann wieder zurücknehmen - oder, wenn möglich, sogar auf das vorherige Gebührenniveau zurückkehren. Ein weiteres Thema ist der Ausbau von Gewerbeflächen. Ich weiß, dass hier immer ein kritischer Blick auf die Versiegelung von Flächen geworfen wird, aber manchmal gibt es keine andere Lösung. Wichtig wäre natürlich die Schaffung von entsprechenden Ausgleichsflächen, unter Berücksichtigung von ökologischen Gesichtspunkten, mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit.
Schalksmühle und Gäste
LokalDirekt: Wie beurteilen Sie die Lage der Geflüchteten, die in der Volmegemeinde leben? Wo hakt es, an welchen Stellen läuft es gut?
Ich glaube, dass es bei den Geflüchteten grundsätzlich gut läuft. Wir haben sowohl gute Maßnahmen als auch einige engagierte Personen, die das System am Laufen halten. Ich denke, dass jeder Geflüchtete, so schlimm seine individuelle Situation auch sein mag, froh sein kann, in der Volmegemeinde zu landen. Werbung machen möchte ich an der Stelle aber auch dafür, dass alle Menschen, die hier Schutz suchen, sich auch nachhaltig angemessen verhalten. Wer sich nicht so verhält, wie es sich für einen Gast gehört, muss in seine Schranken verwiesen werden - da muss ein gutes Mittelmaß gefunden werden.
LokalDirekt: Wie könnte man die Integration noch weiter vorantreiben?
Wir haben außerordentlich engagierte und fleißige Mitstreiter bei diesem Thema. Ich glaube nicht, dass die Gemeinde an sich hier ihren Aufgaben nicht nachkommt. Auch die vielen familiengeführten Unternehmen sind mit Sicherheit immer offen, wenn es darum geht, Geflüchteten eine Perspektive zu schaffen. Sollte das nicht der Fall sein, werde ich gern als Vermittler auftreten, um Bedenken und Sorgen zu zerstreuen.
LokalDirekt: Sie möchten laut Wahlprogramm das in Meinerzhagen bereits etablierte BEA-Modell (Bestellen – Einsteigen – Ankommen), auch in Schalksmühle einführen. Aber welche Mittel, Partner und Voraussetzungen braucht es dafür in der Volmegemeinde? Und wie wollen Sie das Projekt konkret umsetzen?
Ich habe von BEA gehört und gelesen und bin in einem sehr angenehmen Gespräch darauf hingewiesen worden. Alles was ich in Erfahrung bringen konnte, hörte sich nach einem guten Baustein im Nahverkehr an. Ob und wie das Projekt letztlich auch in Schalksmühle integriert werden kann, vermag ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu sagen. Hier müsste mehr Hintergrundwissen erarbeitet werden, wenn es denn gewollt ist. Ich stehe neuen und mutigen Strategien offen gegenüber und bin bereit, auch etwas zu wagen. Am Ende muss es finanzierbar sein, das ist doch klar.
LokalDirekt: Was genau verstehen Sie unter einer "ideologiefreien" Wasserstoffstrategie – und welche Rolle soll Schalksmühle da überhaupt spielen?
Das geben Sie leider nicht ganz richtig wieder. Ich stehe dafür, ideologiefrei und ohne Vorbehalte ALLE Energieträger im Blick zu behalten. Wasserstoff ist da nur ein Thema. Ich konnte mich vor einiger Zeit über die Mobilität mit wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen informieren. Im Prinzip stellt es ein hybrides System aus Tanken wie bei einem Verbrenner und eben Fahren mit Elektrizität dar. Die aktuelle Entwicklung zeigt leider derzeit nach unten; eine kurzfristige Integration wird wohl so ohne weiteres nicht möglich sein. Aber aus den Augen verlieren möchte ich das Thema nicht. Vielleicht beantwortet das am Besten Ihre Frage.
LokalDirekt: Sie sprechen von Steuersenkungen, wenn sich die Konjunktur erholt. Wie passt das zur aktuellen Haushaltslage, die Sie als „angespannt“ beschreiben?
Man muss bei dieser Fragestellung differenzieren. Selbstverständlich werde ich im Rat anregen, das bereits in der diesigen Legislaturperiode abgegebene Versprechen einzulösen und die Steuern auf ein „vor-Krisen-Niveau“ zu senken. In der jetzigen Haushaltslage geht das natürlich nicht, sonst hätten wir die Steuern ja gar nicht erst erhöhen brauchen. Wenn und in welchem Umfang gesenkt wird, das werde ich zu gegebener Zeit mit dem Kämmerer besprechen und dann eine Empfehlung für den Rat erarbeiten. Zeitlich ist das seriös nicht einzuschätzen.
Politisches Selbstverständnis
LokalDirekt: Die AfD gründet derzeit in der Region vermehrt Ortsverbände und stellt Bürgermeisterkandidaten auf – in der Volmegemeinde nicht. Dennoch: Wie stellen Sie sich eine Zusammenarbeit mit der mittlerweile als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei und deren Vertretern auf Kreisebene vor?
Es ist mir bei der Nachricht, dass die AfD hier nicht antritt, natürlich ein Stein vom Herzen gefallen - obwohl lange Zeit die Rede davon war. Obwohl ich auch sage, dass man nicht alle Mitglieder dieser Partei über einen Kamm scheren kann. Der Fisch stinkt vom Kopf, das ist das Hauptproblem - und, solange sie nicht verboten ist, handelt es sich immer noch um eine demokratisch legitimierte Partei. Wäre ich also Mitgliedern dieser Partei im Schalksmühler Rat begegnet, hätte ich sie so behandelt, wie alle anderen auch. Man muss aber natürlich andererseits destruktive und zerstörerische Denk- und Verhaltensweisen im Bereich der freiheitlich-demokratischen Grundordnung mit allem, was geht, entgegentreten. Daher bin ich auf der einen Seite froh, diese Erfahrung in Schalksmühle zumindest vorerst nicht machen zu müssen. Die Begegnung auf Kreisebene hingegen wäre unvermeidbar - das ist einfach eine Realität, die jetzt von uns akzeptiert werden muss. Hier würde ich die Hand zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit ausstrecken - und wenn diese dann nicht ergriffen wird, würden sie meine komplette Ablehnung erfahren.
LokalDirekt: Warum ist eine klare politische Positionierung Ihrer Meinung nach gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je?
Weil wir versuchen müssen, eine Gefährdung unserer demokratischen Grundordnung zu verhindern - mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln.
Klartext
LokalDirekt: Angenommen, es ist Ihr erster Arbeitstag als Bürgermeister – mit welchem Projekt fangen Sie, nach dem ersten Kaffee, an?
Mein erster offizieller Arbeitstag wäre ein Samstag - und somit würde mich mein erster Gang in die 8Giebel führen, wo die Premiere der Theaterwerkstatt stattfindet.
Welche Schlagzeile würden Sie, in fünf Jahren, gerne über Ihre Amtszeit lesen?
Roman Bossart: Souverän, sympathisch - und für weitere fünf Jahre Bürgermeister
Und welche lieber nicht?
Roman Bossart: Krisen, Skandale und Misserfolge - das Ende einer Amtszeit
Haben Sie noch etwas zu sagen, was bis jetzt unerwähnt blieb?
Nö
Begründen Sie, warum ausgerechnet Sie der perfekte Bürgermeister für Schalksmühle sind. Ohne groß nachzudenken. Bitte.