Die Gewerkschaft "Nahrung-Genuss-Gaststätten" (NGG) kritisiert die vor der Sommerpause von der Regierungskoalition rund um Friedrich Merz (CDU) vorgestellten Pläne hinsichtlich der Arbeitszeit-Anpassung.
Im Märkischen Kreis gibt es für rund 3020 Kinder unter 3 Jahren einen Kitaplatz. Die Betreuungsquote liegt damit nach Angaben der amtlichen Statistik bei knapp 30 Prozent. „Das ist zu wenig. Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, sagt Isabell Mura von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. So liege der landesweite Bedarf, den Eltern bei der Betreuungsquote von Unter-3-Jährigen in Nordrhein-Westfalen haben, bei 51 Prozent. Die NGG Südwestfalen beruft sich dabei auf eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI).
Acht-Stunden-Tag wichtig für Eltern
Erhebliche Probleme sieht die Gewerkschaft jetzt auf Eltern im Märkischen Kreis zukommen. Grund sind Pläne der Bundesregierung, das Arbeitszeitgesetz zu ändern und den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen: „Wenn das passiert, dann bricht für Eltern jede Planung bei der Kinderbetreuung zusammen. Denn dann kann ein Arbeitstag auch mal zwei oder sogar dreieinhalb Stunden länger werden. Mit Verlässlichkeit, die Eltern dringend brauchen, hat das nichts mehr zu tun“, sagt Isabell Mura.
Denn eine verlässliche Betreuung sei gerade für berufstätige Eltern wichtig. „Meistens sind Kita- und Arbeitszeiten schon jetzt auf Kante genäht – also eng miteinander abgestimmt: Wer sein Kind in der Kita hat, der muss es auch pünktlich wieder abholen, bevor die Kita schließt. Aber wenn der Chef demnächst aus einem 8-Stunden-Tag einen Arbeitstag mit 10 oder 12 Stunden am Stück machen kann, wird es für Familien nahezu unmöglich, ihren Alltag verlässlich zu planen“, sagt Isabell Mura. Am Ende beeinträchtigt das sogar die Berufstätigkeit der Eltern.
Mura prophezeit Probleme für Familien
„Sollte Schwarz-Rot jetzt den Acht-Stunden-Tag abschaffen und bei der Wochenarbeitszeit ein Höchstlimit von 48 und in Ausnahmefällen sogar bis zu 73,5 Stunden setzen, würde die Bundesregierung damit echte Probleme für viele Familien im Märkischen Kreis provozieren – im Job und in der Familie“, warnt NGG-Geschäftsführerin Isabell Mura.
Dabei suchten nicht nur das Gastgewerbe und das Lebensmittelhandwerk, sondern auch viele Betriebe der Nahrungsmittelindustrie händeringend qualifiziertes Personal. „Den Arbeitskräftemangel in diesen Betrieben lösen wir nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kita-Plätze“, fasst Mura abschließend zusammen.








